Prof.Dr.rer.nat.habil.Erhard Geißler © MDC Foto David Ausserhofer
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Das Harare-Pamphlet

Segals Thesen wurden erstmals in einer Broschüre verbreitet, die Ende
August 1986 am Rande der VIII. Konferenz der Block-freien Staaten in Harare veröffentlicht wurde. Sie enthält ein vervielfältigtes Schreib-maschinenmanuskript. Dessen Ko- piervorlage war höchstwahrschein-lich ein Text, den Segal gemeinsam mit seiner Frau und seinem Mitar-beiter Dehmlow über "AIDS - its nature and origin" verfaßt und im Juni 1986 einem Kameruner Soziologen übersandt hatte.

Das 53seitige maschinegeschriebene Manuskript wurde ohne weitere Bearbeitung vervielfältigt, mitsamt seinen Anhängen, aber unter vorheriger Eliminierung von Dehmlows Namen als Autor. Das Pamphlet wurde im Presseraum der Gipfelkonfe-renz ausgelegt, die vom 1. bis 6. September 1986 in Harare
stattfand, und nicht – wie später behauptet wurde –durch KGB- und MfS-Offiziere aktiv verteilt. Die Geheimdienste beider Seiten
kannten das Material zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht.
 
Wegen ihres reißerischen Titels „AIDS: USA-home made evil; not imported from Africa“ hätte man erwartet, daß die Broschüre sofort breite Aufmerksamkeit findet. Aber dem war nicht so. AIDS wird in dem Final Document der Konferenz nicht erwähnt, geschweige denn der Mythos. Tatsächlich ist das Pamphlet wohl
nur in geringer Stückzahl produziert und ausgelegt worden. Segal beklagte sich später: „Von der Broschüre besitzen wir nur ein einziges Material.“ Schließlich fand Douglas Selvage 2013 ein Exemplar in einem Antiquariat in den USA.
 
Selbst in Washington scheint man kein Exemplar der Broschüre in die Hand bekommen zu haben; die USA waren in Harare zumindest nicht offiziell vertreten und erfuhren erst über ihre Botschaft in Kuwait von Segals Veröffentlichung. Daraufhin veranlasste das State Department seine Ostberliner Vertretung, das Manuskript direkt bei den Segals zu beschaffen. Das dem Zweiten Sekretär der Politischen Abteilung der US-Botschaft John Monroe Koenig übergebene Dokument gilt heute in Washington als originales "Harare-Paper". Das stimmt aber nicht.
Unter anderem wird Dehmlow in diesem Material immer noch als Autor verzeichnet.
 
Peinlicher Kopierfehler im State Department

Außerdem ist das DoS-Manuskript unvollständig. Auf fast jeder Seite fehlen ein, zwei Zeilen, insgesamt 32.  Insgesamt fehlt eine volle Seite des Segalschen Originals. 

Erste Seite des Harare-Pamphlets (weiß) und der vom DoS gefertigten Kopie des Segalschen Originalmanuskriptes (farbig), dem die unterste Zeile fehlt.

Die Ursache für diese Panne ist naheliegend: Für das Vervielfäl-tigen des ursprünglich in Ostberlin auf DIN A4-Seiten geschriebe-nen Textes wurde im DoS sehr wahrscheinlich Kopierpapier im US-Letter Format verwendet. Das mißt 8.5 x 11 inches (215.9 x 279.4 mm) und ist so etwas breiter und kürzer als das im europäischen Raum übliche Papierformat. Also passen ein, zwei Zeilen weniger auf ein Blatt.

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