Prof.Dr.rer.nat.habil.Erhard Geißler © MDC Foto David Ausserhofer
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Halt! Amikäfer!

Kartoffelkäfer sind gefürchtete Kartoffelschädlinge. Kaiser Wilhelm I hatte deshalb schon 1875 die Einfuhr von Kartoffeln aus Amerika verboten. Mehr dazu an anderer Stelle. Dort ist auch beschrieben, wie sich Käfer sich in den dreißiger Jahren doch in Westeuropa ausbreiteten, 1936 die deutsche Grenze erreichten und während des Zweiten Weltkriegs ganz Deutschland befielen.

Nach dem Krieg dehnten sich die Käfer auf ihrer natürlichen Wanderung weiter Richtung Osten aus. Im Jahre 1950 waren etwa 20% der Kartoffelanbau-fläche der DDR befallen. Die Versorgung mit dem Haupt-nahrungsmittel war dadurch ernsthaft bedroht. Der von Nazi-deutschland übernommene „Kartoffelkäferabwehrdienst“ war weitgehend zusammenge-brochen. Pflanzenschutzmittel standen wegen Demontage der Produktionsstätten kaum zur Verfügung. Deshalb beschloß die Parteiführung, die Ursache für ihr Versagen anderen in die Schuhe zu schieben: Die US-Imperialisten hätten die Käfer über DDR-Gebiet abgeworfen.

In breiten Kreisen stieß diese Behauptung auf offene Ohren. Auch der Dichter Bert Brecht fiel darauf herein und schuf ein entsprechendes Gedicht.

 

 

 

Noch heute, mehr als ein halbes Jahrhundert nach dieser Desinformations-aktion, ist dieses Thema immer noch von Interesse - nicht nur in Deutschland.



Kartoffelkäfer als Kampfmittel

Tatsächlich sind die auch „Colorado-Käfer“ genannten gefährlichen Schädlinge typische „dual-threat agents“, das heißt Lebewesen, die sowohl eine natürliche Bedrohung von Mensch, Tier und oder Pflanze darstellen als auch militärisch oder terroristisch eingesetzt werden können.

In der Ausstellung wird ausführlich über die Käfer informiert.

Briten und Franzosen erwogen bereits im Ersten Weltkrieg den Einsatz von Kartoffelkäfern zur Vernichtung der deutschen Kartoffelernte. Kurz vor Aus-bruch des Zweiten Weltkriegs nehmen die Franzosen solche Überlegungen wieder auf .

1942 berichtet ein V-Mann fälschlicherweise, die Westalliierten bereiten einen Angriff mit den Käfern vor. Hitler verbietet auf Grund dieser Falschmeldung deutsche Biokriegsvorbereitungen.

 

Das hinderte einige deutschen BW-Experten nicht, unter dem Vorwand „B-Schutz“ zu betreiben, Feldversuche mit Kartoffelkäfern als Waffe durchzuführen. Zum praktischen Einsatz kamen die Schädlinge jedoch nicht.

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