Prof.Dr.rer.nat.habil.Erhard Geißler © MDC Foto David Ausserhofer
Prof.Dr.rer.nat.habil.Erhard Geißler© MDC Foto David Ausserhofer

Eigene Arbeiten zur Tumorvirologie

1960 - im gleichen Jahr, als man sich auch in der DDR entschloss, gegen Polio zu impfen, gab es erste Hinweise auf eine virale Verunreinigung dieser Impfstoffe. 1962 bestätigte sich, daß die Vak-zinen das bis dato unbekannte Virus SV40 enthielten. SV40 verursacht zumindest bei neugeborenen Hamstern bösartige Geschwülste. Daraufhin wurden nur noch SV40-freie Impfstoffe eingesetzt.

 

Da wir im Rahmen unseres Gentherapie-Projektes vorhatten, SV40 als "Gen-Taxi" einzusetzen, interessierte uns unter anderem die Frage, ob die Kontamination der ersten, zwischen 1955 und 1962 weltweit bei Millionen von Menschen eingesetzten Polio-Vakzinen maligne Spätschäden zu Folge haben könnte.

 

Kollegen in Heidelberg und Homburg/Saar sowie in den USA konnten in bestimmten Hirntumoren Spuren - DNA und/oder Proteine - von SV40 nachweisen. Meine Mitarbeiter konnten das mit Tumormaterial aus der Bucher Neurochirugie bestätigen. Aber es ließ sich nicht klären, ob das Virus (Mit)Verursacher der Geschwülste war oder sich nur darin eingenistet hatte.

 

Konkrete Informationen versprach eine gemein-sam mit dem Nationalen Krebsregister der DDR durchgeführte Auswer-tung der Tumorhäufig-keit bei Patienten, die entweder 1960-62 den verunreinigten oder später den SV40-freien Impfstoff erhalten hatten.

Diese Untersuchungen stießen international auf breites Interesse, denn unser Krebsregister war weltweit einzigartig. 

In den ersten 20 Jahren ergaben sich erste Hinweise auf Unterschiede. Die Untersuchungen hätten aber mindestens zehn, zwanzig Jahre fortgeführt werden müssen, um schlüssige Befunde zu liefern.

Unglücklicherweise verhinderte der Beitritt der DDR zur BRD die Klärung dieses Problems. Selbst zu Angaben, die dem DDR-Krebsregister noch gemeldet worden waren, hatten wir aus Datenschutzgründen keinen Zugang mehr.

 

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