Prof.Dr.rer.nat.habil.Erhard Geißler © MDC Foto David Ausserhofer
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Vaccines for Peace

Die Biowaffenkonvention hat eine gefährliche Schwachstelle: Sie erlaubt uneingeschränkten, unkontrollierten „B-Schutz“, also unter anderem die Entwicklung und Anwendung von Impfstoffen.

Handelt es sich bei solchen erlaubten Aktivitäten um Arbeiten mit dual-threat agents (DTAs), dann kann nicht ausgeschlossen werden, dass unter diesem Vorwand die Fähigkeit zum biologischen Erstschlag entwickelt werden kann. Als beispiels-weise ein deutscher Militärarzt im Ersten Weltkrieg – zum Glück vergeblich - vorschlug, England mit Pesterregern anzugreifen, meinte er, zuvor sollten aber die eigenen Truppen dagegen geimpft werden.

Während einer Vortragsreise durch die USA schlug ich daher Anfang 1989 bei allen sich bietenden Gelegenheiten vor, militärisch relevante Impfstoffe sollten künftig unter völliger Transparenz und möglichst durch internationale Teams entwickelt werden.

Milton Leitenberg (USA), Graham Pearson (UK), Frank Fenner (Australien), Tibor Toth (Ungarn), Jack Woodall (WHO, Sergey Netesov, Russland) in Biesenthal

1991 wurde der mit Unterstützung durch das Stockholmer Friedens-forschungsinstitut SIPRI und durch die Volkswagen-Stiftung inzwischen stark erweiterte Vorschlag von der 3. Überprüfungs-konferenz zur BWC explizit begrüßt. Ein Jahr später wurde er unter dem Titel Vaccines for Peace auf dem vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin und der Volkswagen-Stiftung veranstalteten XIII. Kühlungsborner Kolloquium in Biesenthal kritisch diskutiert.

Insbesondere von den NATO-Staaten wird er bis heute mit – wie mir scheint – völlig fadenscheinigen Argumenten abgelehnt. Dazu mehr in nachfolgendem, nicht veröffentlichten Vortragsmanuskript aus dem Jahre 1998. Nicht zuletzt die Schwierigkeiten bei der Eindämmung der jüngsten Ebola-Epidemie machen wahrscheinlich, dass ein funktionierendes VFP-Projekt vermutlich beträchtlich zur Bekämpfung der Seuche beitragen können.

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