Prof.Dr.rer.nat.habil.Erhard Geißler © MDC Foto David Ausserhofer
Prof.Dr.rer.nat.habil.Erhard Geißler© MDC Foto David Ausserhofer

Es gab keine AIDS-Verschwörung des  MfS mit den Segals

Unter dieser Überschrift erscheint im Juli 2015 meine ausführliche Besprechung der von der BStU herausgegeben und von Douglas Selvage und Christopher Nehring verfassten Schrift "Die AIDS-Verschwörung. Das Ministerium für Staatssicherheit und die AIDS-Desinformationskampagne des KGB".

 

In dem Aufsatz komme ich unter anderem zu den nachstehenden Schlußfolgerungen:

 

# Es gab keine „AIDS-Verschwörung“ zwischen KGB, MfS und Segal. Die dies­bezüg­­lichen Behauptungen der Autoren der BStU-Broschüre gründen auf Bestätigungsdenken. 

 

# Dank von Selvage und Nehring entdeckter Dokumente kann nun als sicher gelten, dass die Ur-Version des Mythos, der AIDS-Erreger HIV sei im Rahmen der US-ameri­ka­ni­schen Biowaffen­forschung isoliert und verbreitet worden, vom KGB propagiert worden war. 

# Der wichtigste Protagonist und eifrigste Verbreiter des HIV-aus-Fort-Detrick-Mythos war der in Ostberlin tätige sowjetische Staats­bürger Jakob Segal. Er entwickelte die vom KGB verbreiteten Behauptungen über die Herkunft des AIDS-Erregers zum eigentlichen Mythos mit seiner Kernthese, der gen­tech­nischen künstlichen Herstellung von HIV.

# Es ist den Autoren von Die AIDS-Verschwörung allerdings entgangen, dass sich der von Segal geschaffene Mythos in wesentlichen Aspekten signfikant von der KGB-Version unterscheidet. Nach Segals Maßstäben waren die entsprechenden vom KGB verbreiteten Behauptungen sogar ausgesprochen „rassistisch“, gingen sie doch von einer natürlichen Herkunft des AIDS-Virus in Afrika (was sich als richtig erwies) oder Südamerika aus.

# Verschiedene Dienststellen des Ministeriums für Staatssicherheit nahmen Kenntnis vom Mythos. Die meisten Informationen wurden von Ab­teilungen ge­sam­melt, die nicht für „aktive Maßnahmen“ zuständig waren, sondern entweder für Spionage beziehungsweise Gegenspionage oder für die Über­wachung Stefan Heyms.  

# Im Gegensatz zu dem von Selvage und Nehring vermittelten Eindruck erfuhr  die für aktive Maßnahmen – und damit für die angebliche „AIDS-Verschwörung – zuständige Abteilung HV A/X nach Aktenlage erst dann vom Mythos, als Segal schon etwa ein Jahr daran gearbeitet und bereits begonnen hatte, ihn zu verbreiten. 

# Die von Selvage und Nehring vorgetragene Behauptung, Segal sei von der SED in Gestalt von Politbüromitglied Hermann Axen entsprechend instruiert worden, ist falsch.

# Aus den von Nehring in Sofia entdeckten Dokumenten geht zweifelsfrei hervor, dass die für Desinformation verantwortliche Abteilung HV A/X entsprechende „aktive Maßnahmen“ plante. Der Wert dieser Dokumente ist allerdings sehr zweifelhaft. Es scheint, als ob sich die deutschen Geheimdienstler gegenüber ihren bulgarischen Genossen mit fremden Federn geschmückt haben. Wirkliche Früchte der betreffenden Zusammenarbeit waren mehr oder weniger belanglose schriftliche Materialien, die von den Stasioffizieren übergeben wurden.

# Abgesehen davon handelten die mit dieser Aktion befassten HV A/X-Offiziere – bei denen es insgesamt offenbar nur um drei namentlich genannte Akteure ging – zumindest ab 1987 gegen die erklärten Interessen von Partei- und Staats­führung. Wegen der Marginalität ihrer diesbezüglichen Aktivitäten konnten die HV A-Offiziere die sich gerade anbahnende Zusammenarbeit der DDR mit den USA bei der AIDS-Bekämpfung allerdings nicht nennenswert sabotieren. 

 

# Jedenfalls gibt es keinerlei stichhaltige Beweise für eine von KGB und MfS mit Segal gemeinsam exekutierte AIDS-Verschwörung. Das MfS war eine schreckliche Einrichtung und beging abscheuliche Taten. Aber für den AIDS-Mythos kann man es nicht auch noch verantwortlich machen.

Ein Text! Sie können ihn mit Inhalt füllen, verschieben, kopieren oder löschen.

 

 

Unterhalten Sie Ihren Besucher! Machen Sie es einfach interessant und originell. Bringen Sie die Dinge auf den Punkt und seien Sie spannend.

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Prof.Dr.Erhard Geißler