Prof.Dr.rer.nat.habil.Erhard Geißler © MDC Foto David Ausserhofer
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Max Delbrück und die DDR-Genetik

Ein letzter Besuch bei Max in Pasadena, zwei Jahre vor seinem Tod

An anderer Stelle[1] habe ich ausführlich dargestellt, welch‘ großen Einfluß mein Förderer und späterer Freund Max Delbrück, einer der Gründerväter der Molekulargenetik, auf die Entwicklung der Molekularbiologie in der DDR hatte. Das begann lange bevor ich Ihn 1960 zum ersten Mal während meines dreimonatigen Studienaufenthaltes in Köln kennenlernen durfte.


[1] Geißler, E., „No West German translation for political and technical reasons...“ Erin­nerungen an Max Delbrücks Einfluss auf die DDR-Genetik. In: M. Kaasch & J. Kaasch (Hrsg.), Das Werden des Lebendigen. Verlag für Wissenschaft und Bildung, Berlin, 169-201 (2010).

In Drosophila oder die Versuchung ist ausführ-lich beschrieben, dass und warum die Heraus-gabe einer deutschen Auflage der „Delbrück-Festschrift“ äußerst schwierig war.

Deshalb bin ich schon etwas traurig darüber, dass vom deutschen „PATOOMB“ – Max verwendete nur dieses Akronym, das natürlich steht für Phage and the Origin of Molecular Biology – im neuen Deutschland so gut wie keine Rede ist, nicht einmal zu speziellen Texten über Delbrück.

In der DDR erschien das Buch 1972, also zu einer Zeit, als sich die Genetik immer noch in der Rehabilitationsphase befand und nur langsam von den Verwerfungen der Lyssenko-Ära zu erholen begann. Das galt insbesondere für den Bereich der Volksbildung: Etwa zwanzigtausend Biologie-Lehrer waren durch den Erlass neuer Lehrpläne gerade dazu verdonnert worden, in den Klassen 10 und 12 jeweils 19 Stunden Genetik zu unterrichten. Wie ich hatten die meisten von Ihnen während des Studiums nie eine Genetik-Vorlesung gehört. Und Lehrmaterialien gab es noch kaum. PATOOMB war dabei eine große – und zudem kurzweilige – Hilfe.

Abgesehen davon finde ich es schade, dass das deutsche PATOOMB weitgehend ignoriert wird, enthält es doch ein eigens für diese Ausgabe verfasstes Vorwort von Delbrück, in dem er die Geburt der Molekularbiologie skizziert. Wie schon in meinem oben erwähnten Aufsatz über Delbrücks Einfluss auf die DDR-Genetik ist das Vorwort auch auf der folgenden Webseite reproduziert.

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