Prof.Dr.rer.nat.habil.Erhard Geißler © MDC Foto David Ausserhofer
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Die unrühmliche Rolle der taz

Dass die taz seinerzeit das Interview Segals durch Heym abdruckte - wenn auch gegen die Stimme des Wissenschaftsredakteurs Kuno Kruse -  kann man der Redaktion kaum vorwerfen, zumal Kruse kurz darauf ein Interview veröffentlichte, in dem der Mythos widerlegt wurde.

Anfang 2010 war es anders. Da entschuldigte sich die taz bei ihren Lesern,  damals von der Stasi gelinkt worden zu sein. Dabei kolportierten die Autoren Feddersen und Gast ungeprüft die Behauptungen von Bohnsack & Co. Sie ignorierten, dass diese inzwischen widerlegt worden waren. Darüber hinaus machten sich wider besseres Wissen zum Sprachrohr einer weiteren Bohnsackschen Aussage, wonach die Leute von der HV A/X „schon gewusst“ hätten, wie man die taz benutzen kann. Das war wider bessres Wissen, da Gast nämlich bereits 1992 in der taz darüber berichtet hatte, wie das Heym-Interview tatsächlich endlich in dieser Zeitung veröffentlicht wurde:

Ausschnitt aus der taz vom 30.12.1992

Unsere inzwischen erfolgte Widerlegung der Desinformation im Quadrat wurde in der taz-Redaktion nicht zur Kenntnis genommen. Mehrere diesbezügliche Schreiben an die Chefredakteurin wurden nicht beantwortet, nicht einmal mit einem Formbrief.

Erst nachdem Selvage und Nehring ihre Thesen verkündet hatten und dabei ebenfalls wieder behaupteten, die Stasi habe dabei geholfen, das Interview in der taz unterzubringen, machte sich das Blatt wieder bemerkbar. „Das Gerücht über das laborgezüchtete HI-Virus und Berichte über angebliche Menschenversuche an Gefängnisinsassen im amerikanischen Fort Detrick fußen auf einer großangelegten Desinformationskampagne von KGB und Stasi“.

Das ist nicht Originalton Bohnsack, sondern die Schlussfolgerung, die die taz aus der Schrift einer Behörde zieht, in der die Behauptungen von Stasioffizieren und ihren Informanten nicht kritisch hinterfragt werden, sondern wiederum Desinformation betrieben wird, sozusagen Desinformation hoch drei.

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