Prof.Dr.rer.nat.habil.Erhard Geißler © MDC Foto David Ausserhofer
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Beratungsresistent und republikschädlich

In einer vierseitigen Stellungnahme der Berliner Bezirksbehörde des MfS wurde Anfang 1987 unter anderem fest­gestellt, Segal sei „durch wissen­schaft­lich nicht haltbare Theorien“ aufge­tre­ten. [...] Nach vor­lie­genden Erkenntnissen sind alle DDR-Experten von der Unhaltbar­keit der Theorie von Prof. Segal überzeugt. [...] Es gibt keinen einzigen echten Beweis für alle Be­hauptungen von Segal, aber auch in vielen Details eindeutig falsche Dar­stel­lungen seinerseits [...]. Die Wirkung der Aktivitäten von Prof. Segal wird als ausge­sprochen negativ eingeschätzt, als gegen die Entspannung gerichtet. […]  Insgesamt muss die Schluss­folgerung ge­zogen werden, dass nach dem vor­lie­gen­den Erkenntnisstand das Auftreten von Prof. Segal als wissenschaftlich nicht haltbar und damit für politisch schädlich einzu­schätzen ist, entsprechende Maßnahmen aber nur in direkter Abstimmung mit dem ZK erfolgen können“.

 

Für diese kritische Einschätzung, der auch eine längere kritische Stellungnahme des Virologie-Professors Hans-Alfred Rosenthal beilag, hatten Selvage und Nehring nur einen halben Satz übrig.

 

Und überhaupt nicht kommentierten sie die Tatsache, dass die USA offiziell bei der DDR-Regierung gegen Segals Behauptungen protestierten und was das zur Folge hatte.

Auszug aus der Stellungnahme der Berliner Stasi-Behörde. Quelle: BStU
Anfang einer Information für DDR-Außenminister Fischer. Quelle: Auswärtiges Amt, Politisches Archiv

Spätestens dieser Protest hatte zur Folge, dass auf Veranlassung des Außenministeriums durch Partei- und Staatsführung eine offizielle Einschätzung des Mythos erfolgte. Im Ergebnis wurde Außenminister Firscher informiert: Die vom US-Botschafter „erwähnte Meinung ist nicht die Position der DDR“.

 

Tatsächlich war die DDR bereits im Oktober 1987 Koautor einer Resolution der Vereinten Nationen gewesen, in der es heißt, AIDS is „caused by one or more naturally occurring retroviruses of undetermined origin“.

Das war das Gegenteil vom Mythos. 

 

Und den Autoren der BStU-Broschüre war das keine Silbe wert – und folglich auch nicht die Tatsache, dass die vollmundigen Erklärungen der HV A/X-Offiziere ihren Bulgarischen Genossen gegenüber der offiziellen Politik von Partei und Regierung widersprachen.

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