Prof.Dr.rer.nat.habil.Erhard Geißler © MDC Foto David Ausserhofer
Prof.Dr.rer.nat.habil.Erhard Geißler© MDC Foto David Ausserhofer

Die Afrika-Legende - vermutlich auch kein Stasi-Produkt

Schon in der Einleitung behaupten Selvage und Nehring, ihre Studie zeige, dass „das MfS Hilfe bei der Verbreitung und Veröffentlichung der Segalschen These […] bei der Mitfinan­zierung eines Films für das westdeutsche und ausländische Fernsehen" geleistet habe.

Zu dieser angeblichen Aktion gibt es bei Selvage und Nehring ein ganzes Kapitel, dessen Inhalt folgendermaßen zusammengefasst wird: „Die letzte und vielleicht an­spruchsvollste aktive Maßnahme der HV A/X im Rahmen des Objekt-Vorgangs ‚Denver‘ war die Mitfinanzierung des Films ‚AIDS – die Afrikalegende‘ des im IMA-Vorgang »Joachim« der HV A/X/1 erfassten ▬▬ und des im OVO »Denver« erfassten westdeutschen Filmemachers ▬▬.“  (Da in der Publikation diesbezügliche Passagen auf Grund einer einst­weiligen Verfügung geschwärzt werden mußten, habe ich die betreffenden  Namen hier ebenfalls anonymisiert.

 

An anderer Stelle werden die Hintergründe für diese Behauptungen beschrieben. Sie gehen auf Protokolle aus der Zusammenarbeit des MfS mit den Bulgaren zurück und beruhen vermutlich auf Aufschneidereien einiger Stasi-Offiziere. In diesem Zusammenhang wird auch ausführlich diskutiert, dass und warum es höchst unwahrscheinlich ist, dass seitens des MfS in der kurz vor dem Kollaps einschließlich des finanziellen Ruins stehenden DDR Valutamittel für einen Film ausgegeben worden sind, der Thesen vertritt, die von Partei und Regierung abgelehnt werden.

Eine der geschwärzten Seiten aus der "AIDS-Verschwörung"

 

 

 

 

Tatsächlich mußten die Behauptungen der Autoren inzwischen auf Grund einer einstweiligen Verfügung relativiert werden und entsprechende Textstellen geschwärzt werden.

Weiter behaupten die Autoren, in dem Film „wurde nicht nur ihre These propagiert, sondern Jakob und Lilli Segal auch als Helden stilisiert.“ Und an anderer Stelle: „Im Mittelpunkt des Films steht das Inter­view mit dem ‚Forscherehepaar‘ Jakob und Lilli Segal in ihrer Ostberliner Woh­nung“.  Das stimmt nicht. Tatsächlich diskutierten zehn tatsächliche und selbst ernannte Experten die zur Entstehungszeit des Filmes, 1987-88, vorherrschenden Hypothesen zur Herkunft von HIV, aber keiner von ihnen unterstützte den AIDS-aus-Fort-Detrick-Mythos. Die Segals standen nicht im Mittelpunkt sondern mussten mit etwa einem Zehntel der Sendezeit auskommen. 

Deshalb wurde die Erstausstrahlung des Films am 3. Januar 1989 durch den WDR mit folgendem Kommentar beendet: „Das Ergebnis des Films also: Legende, alles Legende wenn heute jemand behauptet, er wisse wo das AIDS-Virus herkommt.“ (Tatsächlich konnte man zu dieser Zeit noch nicht genau wissen, wo der Erreger wirklich herkommt.)

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