Prof.Dr.rer.nat.habil.Erhard Geißler © MDC Foto David Ausserhofer
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Das Harare-Pamphlet wurde nicht vom MfS verteilt

In ihrem Buch behaupteten Bohnsack und Brehmer 1992 noch zurückhaltend: „Journalisten trugen die Geschichte nach Afrika“. Das entspricht in etwa dem, was wir inzwischen über die als "Harare-Pamphlet" bezeichnete Broschüre mit Segals erster Publikation zum Mythos wissen.

 Aber der Washingtoner Historiker Boghardt setzte wieder eins drauf. In seinem in einem CIA-Journal erschienenen Artikel ergänzte er:

HVA X had provided Segal with much of the material for his pamphlet,which began circulating in Harare, Zimbabwe, on the eve of the Eighth Conference of NonAligned Nations (1–6 September 1986). The conference was attended by representatives of more than 100 Third World countries—as well as four HVA and 20 KGB officers, who were busily distributing Segal’s paper to the press and delegates.[…]

The East German communist party leadership was delighted to see Segal’s theses included in the conference’s final report and heaped praise on the HVA for the operation.

Als Quelle gibt Boghardt Briefe an, die ihm Bohnsack 2008 geschrieben hatte. Und in einer Fußnote erwähnt er sogar die Namen von zwei Stasi-Offizieren, die das Segal-Pamphlet verteilt haben sollen, Hans Pfeiffer und Horst Schötzki.

Das einzige, was hier nicht frei erfunden ist, ist die Tatsache, dass die 8. Konferenz der blockfreien Staaten tatsächlich zum genannten Datum in Harare stattgefunden hat und dass der erste Text der Segals zum AIDS-aus-Fort-Detrick-Mythos tatsächlich am Rand der Tagung veröffenticht wurde.

Nicht stimmt dagegen, dass

  • die HV A/X Segal mit Hintergrundmaterial für das Pamphlet versorgt hat. Abteilung X hat vielmehr erst von dem Pamphlet erfahren, als die USA darauf aufmerksam geworden waren.
  • Schötzki  – tatsächlich MfS-Offiziere – zu dieser Zeit in Harare anwesend war.
  • das Pamphletwährend der Konferenz aktiv verteilt worden war.
  • die Segalschen Thesen im Schlussdokument der Konferenz erwähnt wurden.
  • sich Partei- und Staatsführung der DDR über die Aufnahme des Mythos in das Schlußdokument gefreut haben. 
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