Prof.Dr.rer.nat.habil.Erhard Geißler © MDC Foto David Ausserhofer
Prof.Dr.rer.nat.habil.Erhard Geißler© MDC Foto David Ausserhofer

Auch die CIA desinformiert

Jahre später nahm sich Dr. Thomas Boghardt, damals Historiker am Internationalen Spionage-Museum in Washington, DC, des Themas an. Ohne die inzwischen erfolgte Widerlegung der Behauptungen von Bohnsack und Genossen zur Kenntnis zu nehmen wärmte er diese nicht nur auf und machte sie auch einem breiten englisch-sprachigen Publikum zugänglich, sondern entwickelte sie sogar weiter. 

 

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Besonderes Gewicht erhielt Boghardts Beitrag dadurch, dass er nicht nur in einer von der CIA herausgegebenen Zeitschrift veröffentlicht, sondern sogar preisgekrönt wurde: Er wurde mit dem "Annual Studies in Intelligence Award" ausgezeichnet.  

Obwohl die Behauptungen von Bohnsack und Genossen in der Zwischenzeit widerlegt worden waren, wurden sie von Boghardt nicht nur nicht wiederholt und nun auch weltweit lesbarer – weil in Englisch verfasst – gemacht, sondern auch kräftig aufgepeppt, ganz offenbar in Absprache mit Bohnsack.

Während die Stasi-Veteranen Grad und Form ihrer angeblichen Kooperation mit dem KGB nicht näher definierten, präzisierte Boghardt:

„the KGB informed its East German counter­­part unambiguously that Moscow expected it to participate.”

Während Bohnsack & Co nicht näher beschrieben, wie sie Segal ins Boot geholt haben wollten, spekulierte Boghardt:

„in all likelihood ‚evidence‘ of the US origins of AIDS would have been given to him [Segal] in personal meetings, perhaps with a professional colleague previously briefed by the MfS.”

Während die Ex-Stasi-Offiziere lediglich angaben, “Journalisten trugen die Geschichte nach Afrika und nicht auf die Gipfelkonferenz in Harare eingingen, behauptete Boghardt:

„four HVA and 20 KGB officers … were busily distributing Segal’s paper to the press and delegates” in Harare.

Zur Höchstleistung lief der Washingtoner Historiker aber auf, als er den Besuch der Mitarbeiter der Ostberliner US-Botschaft bei den Segals als Maskerade interpretierte:

„In all likelihood Segal’s visitors were HV A officers intent on building up Segal’s resolve by posing as CIA men. […] Günter Bohnsack […] has little doubt that the two visitors were from the HV A”.

All das konnte ebenfalls von Rob Sprinkle und mir widerlegt werden.

 

 

Douglas Selvage hat mir Ende 2014 mitgeteilt, Boghardt habe inzwischen seine Meinung modifiziert. Genaueres konnte er mir allerdings nicht dazu sagen.

"No articles found". Auszug aus der Boghardt-Website des U.S.Naval Institute

Selvage hat mir Ende 2014 mitgeteilt, Boghardt habe inzwischen seine Meinung modifiziert. Genaueres konnte er mir nicht dazu sagen.

Immerhin ist auf der Website des U.S.Army Center of Military History in Washuington, D.C., wo Boghardt jetzt als senior historian wirkt, kein Hinweis auf seinen AIDS-Artikel angezeigt. Der wird allerdings immer noch auf der Website der CIA (https://www.cia.gov/library/center-for-the-study-of-intelligence/csi-publications/csi-studies/studies/vol53no4/soviet-bloc-intelligence-and-its-aids.html) erwähnt, von wo der Text heruntergeladen werden kann.

Eine Petitesse am Rande:

Das Haus des ZK, heute Sitz des Auswärtigen Amts

Als mir Karl Seidel, der Leiter der Abteilung Gesundheitspolitik des ZK der SED 1987 verbot, gemeinsam mit Hans-Alfred Rosenthal eine Kritik des Mythos zu publizieren, begründete er dies damit: Wenn ich diesen Artikel veröffentlichen würde, müsse man annehmen, ich handele im Auftrag der CIA.

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