Prof.Dr.rer.nat.habil.Erhard Geißler © MDC Foto David Ausserhofer
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Auch Simmel war kein Werkzeug der Stasi

„Bestsellerautor Johannes Mario Simmel schließlich, gerade mit dem Thema Genforschung befasst, bediente sich arglos der ihm [von der Abteilung X der Hauptverwaltung Aufklärung] übersandten Materialien und übernahm die Details unserer Konstruktion. Im Roman ‚Doch mit den Clowns kamen die Tränen‘ […] finden sich entsprechend Passagen.“ So weit Bohnsack und Brehmer.

Ausführlicher berichtete der ehemalige DDR-Diplomat Klaus Behling (S.252-253), Bohnsack habe ihm erzählt:

„Per Telefon hörten wir davon, dass Johannnes Mario Simmel ein Buch über bakteriologische Waffen schreiben will. […] Wir spielen ihm Material über das AIDS-Virus zu. […] Ergebnis: In seinem Buch […] wird millionenfach die Legende verbreitet, das AIDS-Virus sei aus US-Waffenlabors entwichen.

Damit wollten wir damals die Afrikaner gegen die USA aufbringen, weil die Seuche in Afrika am heftigsten ver­breitet ist. Der Plan gelingt. Johannes Mario Simmel merkt nichts von dem Schwindel, und 1987 erscheint sein Biowaffen-Thriller mit der Stasi-Lüge. Für die Offiziere in der ‚Desinformation‘ [der Abteilung HV A/X] ist das ein Riesenerfolg, denn das Buch wird – wie alle Simmel-Werke mit einer weltweiten Auflage von über 72 Millionen Exemplaren – rasend schnell zum Bestseller.“

 

 

Auch das war alles gelogen. Simmel bestätigte mir, dass er bei der Vollendung seines Romans kein aus anonymen Quellen stammendes Material zugespielt bekommen habe, und nannte die diesbezüglichen Behauptungen "eine freche Lüge".

Vielmehr sei er durch einen Aufsatz auf das Interview Srefan Heyms mit Segal aufmerksam geworden, den Erich Fried am 13. März 1987 über "Die Waffe AIDS" in der Österreichischen Wochenpresse veröffentlicht hatte.

Auch mit der Einschätzung, Simmel habe zur weltweiten Verbreitung des AIDS-ausFort-Detrick-Mythos beigetragen, irrten die ehemaligen Stasi-Offiziere und ihre Kolporteure gewaltig:

Simmel hatte nämlich sozusagen Gegenpropaganda betrieben. Er lässt seinen Romanhelden, einen Molekulargenetiker, explizit sagen: "Ich glaube es nicht." Und eine Seite weiter: "Es gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass das AIDS-Virus wirklich irgendwo entwichen ist, wo man mit Viren experimentiert."

Auszug aus Simmels Roman, S. 111.
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