Prof.Dr.rer.nat.habil.Erhard Geißler © MDC Foto David Ausserhofer
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Segal war kein Werkzeug der Staatssicherheit

„Zunächst griff der Ostberliner Professor Jakob Segal diese Version auf“ hatten Bohnsack und Brehmer geschrieben.

War Segal also auch Werkzeug der Stasi? Hatten die ihn auf die Idee mit den Geningenieuren in Fort Detrick gebracht?

Tatsächlich beweisen mehrere Dokumente aus der Behörde des Bundesbeauftragen für die Unterlagen der Stasi („BStU“) sowie aus dem Nachlass von Jakob und Lilli Segal, dass der Professor sich etwa im Oktober 1985 mit diesem Thema zu beschäftigen begann. Das war kurz vor dem Erscheinen eines entsprechenden Artikels in der sowjetischen Literaturnaya Gazeta.

 

Im Ministerium für Staatssicherheit (MfS) wusste man schon sehr früh, ab Januar 1986, von Segals Überlegungen über die Herkunft von AIDS, aber das waren Dienststellen, die nichts mit der Bohnsackschen Abteilung HV A/X zu tun hatten, sondern Aufklärung und Gegenspionage betrieben beziehungsweise Stefan Heyms Aktivitäten rund um die Uhr überwachten.

Die für "aktive Maßnahmen" verantwortliche Haupt-abteilung Aufklärung des MfS nahm von Segals Thesen erst etwa zehn Monate später, ab September 1986, Kenntnis,

  • als man durch Observation der Ostberliner US-Botschaft ermittelte, dass sich die US-Regierung für Segal und seine Thesen interessierte und Diplomaten zu Segal schickte;
  • als etwa zeitgleich im Londoner „Sunday Express“ ein Interview mit Segal erschien;
  • als etwa zeitgleich ein Brief aus den USA abgefangen wurde, in dem es um ein Manuskript Segals ging;
  • als im Rahmen der Überwachung Stefan Heyms bekannt wurde, dass der ein Interview mit Segal vorbereitete und dann durchführte.
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