Prof.Dr.rer.nat.habil.Erhard Geißler © MDC Foto David Ausserhofer
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War der Mythos eine "aktive Maßnahme" der Stasi?

Nach der friedlichen Revolution in der DDR begannen einige ehemalige Offiziere des Ministeriums für  Staatssicherheit damit, aus der Not eine Tugend zu machen. Sie kamen aus ihren
Verstecken hervor, lüfteten ihre Masken und packten aus. Offenbar wollten sie zeigen, was für tolle Jungs sie doch gewesen waren…

Insbesondere Oberstleutnant d.D. Günter Bohnsack überraschte mit der Behauptung, er und seine Genossen von der Abteilung X der Hauptver-waltung Aufklärung (HV A) hätten – gemeinsam mit ihren sowjetischen Genossen vom KGB – den „AIDS-aus-Fort-Detrick-Mythos“ kreiiert und erfolgreich weltweit verbreitet. Abteilung X war tatsächlich für Desinformationen und andere „aktive Maßnahmen“ verantwortlich.

Gemeinsam mit Ex-Stasi-Obrist Herbert Brehmer behauptete Bohnsack 1992 in dem Buch über "Aktive Irreführung":

"Zunächst griff der Ostberliner Professor Jakob Segal diese Version auf. Stefan Heym sorgte durch ein Interview, das er für die Westberliner 'tageszeitung' mit dem Wissenschaftler führte, dafür, dass sich die Aids-Lüge in Europa verbreitete.

Journalisten trugen die Geschichte nach Afrika und andere von der Krankheit stark heimgesuchte Regionen. Bestseller-autor Johannes Mario Simmel schließlich, gerade mit dem Thema Genforschung befasst, bediente sich arglos der ihm [von der Stasi] übersandten Materialien und übernahm die Details unserer Konstruktion. Im Roman 'Doch mit den Clowns kamen die Tränen' […] finden sich entsprechende Passagen."
 

Diese Behauptungen Bohnsacks und Brehmers konnten nicht nur nicht durch Quellen belegt, sondern von Robert Sprinkle und mir eindeutig widerlegt werden. 

Trotzdem stießen ihre Angaben weltweit auf offene Ohren und wurden unkritisch weiter verbreitet, beispielsweise von der südafrikanischen Soziologie-Professorin Nicoli Nattrass und insbesondere vom Historiker des Washingtoner Spionage-Museums Dr. Thomas Boghardt.

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