Prof.Dr.rer.nat.habil.Erhard Geißler © MDC Foto David Ausserhofer
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Keine Biowaffen aus Berlin-Buch

Aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt erfuhr der international bekannte Virologe Eugen Haagen, ein "Arzt ohne Menschlichkeit", im Jahre 1946 zufällig, dass sich die Sowjets in ihrer Besatzungszone um die Beschaffung von Erregern der Psittakose, der Papageienkrankheit, bemühten. Vermutlich brauchten sie es für ihr gerade wieder angelaufenes Biowaffenprogramm.

 

Haagen - der früher am Berliner Robert Koch-Institut über Psittacose gearbeitet und dabei gefunden hatte, dass deren Erreger nicht nur in Papageien vorkommen, sondern auch in Ostsee-Möwen - diente sich der sowjetischen Besatzungsmacht an. Er sei bereit, die Erreger zu beschaffen, wenn man ihm die notwendigen Voraussetzungen schaffe. 

 

 

Lageplan des KWI für Hirnforschung aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs

Die Sowjets nahmen Haagens Angebot dankend an und sagten ihm optimale Forschungskapazitäten zu: Haagen wurde Chef eines neu gegründeten "Instituts für Virus und Geschwulstforschung", das im ehemaligen Kaiser-Wilhelm-Institut für Hirnforschung in Berlin-Buch eingerichtet wurde.

 

Allerdings kamen Haagen und seine Mitarbeiterin Brigitte Crode nicht über die Laboreinrichtung hinaus: Der Virologe wurde - offenbar vom britischen Geheimdienst - unter einem Vorwand nach Westberlin gelockt und dort von der britischen Militärpolizei verhaftet.

 

Psittaciose-Erreger spielten dann in dem immer umfangreicher werdenden sowjetischen Biowaffenprogramm keine Rolle.

 

 

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