Prof.Dr.rer.nat.habil.Erhard Geißler © MDC Foto David Ausserhofer
Prof.Dr.rer.nat.habil.Erhard Geißler© MDC Foto David Ausserhofer

Eigene Beiträge zur Geschichte der Biowaffen

 

1346

„Schwarzer Tod“ – europaweiter Seuchenzug der Pest, angeblich durch biologische Kriegsführung verursacht.

1763

Erster dokumentierter Akt biologischer Kriegsführung: aufständische Indianer erhalten mit Pockenviren verseuchte Wäschestücke.

1915-17

Der deutsche militärische Nachrichtendienst setzt mit wenig Erfolg Milzbrand- und Rotzerreger zur Auslösung von Tierseuchen ein.[1]

Ich enttarne den deutschen Topagenten Arnold. Er war an den Biosabotageaktionen beteiligt.[2]

 



[1] Geissler, E.: "Anwendung von Seuchenmitteln gegen Menschen nicht erwünscht". Dokumente zum Einsatz biologischer Kampfmittel im Ersten Weltkrieg. Dokumentation. Militärgeschichtliche Mitteilungen 56, 107-55 (1997)

[2] Geißler, E.: Biologische Waffen - nicht in Hitlers Arsenalen. Biologische und Toxin-Kampfmittel in Deutschland von 1915 bis 1945. LIT-Verlag, Münster, 1998, 1999. 69-73.

 

Topagent "Arnold" alias Dr. Herman Wupperman heiratet. © Dr. Beatrix Wupperman

ab 1922

 

Frankreich, Sowjetunion (1926), Japan (1932), Italien (1934), Großbritannien (1936), Kanada (1938), USA (1941) nehmen BW-Aktivitäten auf.

1925

Das „Genfer Protokoll“ tritt in Kraft. Es verbietet den Einsatz chemischer und biologischer Waffen im Kriege.

1942

Auf Grund einer Falschmeldung verbietet Hitler offensive BW-Aktivitäten.[1]



[1] Geißler, E.: Anthrax und das Versagen der Geheimdienste. Kai Homilius-Verlag, Berlin, 2003. 131-134.

Der General der "Nebeltruppen" gibt Hitlers BW-Verbot bekannt.

 

1942-43

Rote Armee siegt in Stalingrad. Behauptungen des sowjetischen Überläufers Ken Alibek, wonach der Sieg auf den Einsatz von BW (Tularämie-Erreger) zurückzuführen war, können widerlegt werden.[1]

1942-44

Japan setzt BW gegen China ein.

1943

 

Die deutsche Wehrmacht flutet die Pontinischen Sümpfe. Der US-Historiker Frank M. Snowden behauptete 2006, das sei vor allem erfolgt, um die italienische Bevölkerung durch biologische Kriegführung mit Malaria zu bestrafen. Das kann widerlegt werden.[2]

um 1943

US-Geheimdienst verübt Anschlag gegen Hjalmar Schacht mit Toxin.

1944

Großbritannien untersucht Möglichkeit, Hitler und andere mit Anthrax oder anderen Biowaffen umzubringen

Feb 1945

Hitler erwägt Kündigung des Genfer Protokolls.[3]

1950

DDR-Führung beschuldigt wider besseres Wissen die USA , „Amikäfer“ eingesetzt zu haben.[4]

 



[1]Geissler, E. 2005, “Alibek, Tularaemia and The Battle of Stalingrad”, Chemical and Biological Weapons Convention Bulletin, No. 69+70, 10-15.

[2]Geissler, E. and Guillemin, E., German flooding of the Pontine Marshes in World War II: Biological Warfare or Total War Tactic? Politics and the Life Sciences 29, no. 1, 1-23 (2010).

[3]Geißler, E., Hitler und die Biowaffen. LIT-Verlag, Münster, 1998 174-191.

[4]Geissler, E., „Kartoffelkäfer als dual-threat agents“. In: E. Höxtermann, J. Kaasch, M. Kaasch & R.K. Kinzelbach (Hg.) Berichte zur Geschichte der Hydro- und Meeresbiologie und weitere Beiträge der 8. Jahrestagung der DGGTB. Verhandlungen zur Geschichte und Theorie der Biologie, Bd. 5, Verlag für Wissenschaft und Bildung, Berlin, 2000, 209-237.

1968

Dr. Petras, Überläufer aus der Bundesrepublik, beschuldigt wahrheitswidrig die BRD, den Biokrieg vorzubereiten. Er war ein Stasi-Agent.[1]

1972-75

Die Biowaffenkonvention wird vereinbart und tritt in Kraft.

Ende der 1970er

Angeblich wird, so behauptet Jakob Segal später wahrheitswidrig , AIDS-Erreger in Fort Detrick konstruiert. [2]

1984

Bioterror in Oregon durch Rajneeshee-Sekte

1985-95

Jakob Segal erfindet und verbreitet AIDS-aus-Fort-Detrickl-Mythos.3

1992-

Ehemalige Stasi-Offiziere erfinden und verbreiten „Desinfor­mation im Quadrat“ über angebliche Urheberschaft der Stasi beim AIDS-aus-Fort-Detrick-Mythos [3],[4]

2001

In den USA werden Briefe mit Milzbrandsporen verschickt.

2003

Die USA greifen den Irak an mit der falschen Beschul­digung, Saddam Hussein besitze Biowaffen und wolle die einsetzen.

 



[1] Geißler, E. 2005, „Biowaffen für die Bundeswehr? Dr. Petras und ‚die Entlarvung der west­deut­schen B-Waffen-Rüstung’ durch das MfS“, Zeitschrift des Forschungsverbundes SED-Staat (ZdF), Nr. 18, 72-103.

[2] Geißler, E. 2007, „Lieber AIDS als gar nichts aus dem Westen!“ Wie Partei- und Staatsführung der DDR mit dem AIDS-Problem umgingen. ZdF, Nr. 22, 91-116.

[3] Geißler, E. 2013, „AIDS und seine Erreger – ein Gespinst von Hypothesen, Erkenntnissen und Verschwörungs­theorien“. In: Andreas Anton, Michael Schetsche und Michael Walter: Konspiration, Soziologie des Verschwörungsdenkens. Springer VS, Wiesbaden, 113-137.

[4] Geissler, E. and R.H. Sprinkle 2013, Disinformation squared. Was the HIV-from-Fort-Detrick myth a Stasi success? Politics and the Life Sciences. 32/2 (im Druck).

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