Prof.Dr.rer.nat.habil.Erhard Geißler © MDC Foto David Ausserhofer
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Mutter Natur und die DTAs

Biologische (BW) und Toxin-Waffen (TW) sind natürlich vorkommende Krankheitserreger, Schädlinge beziehungsweise von Lebewesen gebildete Gifte, die als Kampfmittel zur biologischen Krieg(s)führung beziehungsweise für Biosabotage- oder Bioterroraktionen genutzt werden. Dazu zählt aber nur eine sehr begrenzte Zahl von Agenzien.

BW werden häufig als „das dreckige Dutzend“ bezeichnet, obwohl es mehr als zwölf verschiedene Typen sind. Dazu gehören unter anderem Pasteurella pestis. Dieser Erreger der Pest soll schon im 14. Jahrhundert von den Tataren bei der Eroberung von Kaffa auf der Krim eingesetzt werden sein, wodurch der Seuchenzug des „Schwarzen Todes“ ausgelöst worden sei. Beweise dafür fehlen allerdings.

Sicher ist hingegen, daß im Jahre 1763 bei Fort Pitt im heutigen US-Bundesstaat Pennsylvania Pockenerreger von britischen Soldaten gegen aufständische Indianer eingesetzt wurden.

Eines der am meisten gefürchtete biologische Kampfmittel ist Bacillus anthracis, der Erreger des Milzbrand. Anthraxbakterien sowie die Erreger der Pferdekrankheit Rotz wurden erstmals 1915 vom deutschen militärischen Geheimdienst für Biosabotageaktionen gegen Rinder sowie gegen Militärpferde verwendet.

Im ersten Weltkrieg ist auf Seiten der Kriegsgegner Deutschlands auch erwogen worden, einen gefürchteten Pflanzenschädling, den Kartoffelkäfer, als biologische Waffe einzusetzen. Entsprechende Untersuchungen gab es dann tatsächlich während des Zweiten Weltkrieges in Nazideutschland.

Einige Mikroorganismen sind keine biologischen Kampfmittel, werden aber für militärische Zwecke genutzt. Dazu gehören Bacillus subtilis und Serratia marcescens. Sie wurden und werden als Simulantien eingesetzt, vor allem bei der Entwicklung von Ausbringungsverfahren sowie bei der Ausarbeitung von entsprechenden Defensivmaßnahmen, dem sog. „B-Schutz“.

Vereinbarte Definitionen gibt es auf diesem Gebiet nicht, sie fehlen auch in der Konvention über das Verbot der Entwicklung, Herstellung, Lagerung und Weitergabe biologischer und Toxin-Waffen. Für aggressive militärische Zwecke geeignete Organismen werden bisher meistens als „dual-use“-Agenzien bezeichnet oder als „potentielle biologische Kampfmittel“, „putative biological weapons“ oder so ähnlich.

Als ich Anfang der neunziger Jahre das „Impfstoffe für den Frieden“-Programm erstmals öffentlich vorstellen wollte, schrieb ich in einer frühen Version, es ginge dabei um die Entwicklung von Vakzinen gegen dual-use-Erreger. Der Herausgeber von Politics and the Life Sciences, Gary R. Johnson, machte mich damals aber freundlicherweise darauf aufmerksam, daß in diesem Zusammenhang der häufig verwendete Begriff „dual-use“ nicht passend ist: Mutter Natur mache keinen Gebrauch von pathogenen Keimen, wenn durch deren Einwirkung Menschen oder andere Lebewesen erkrankten.

Tatsächlich kann man derartige Erreger viel präziser bezeichnen als „dual-threat agents“, „zwiefach bedrohliche Agenzien“ oder kurz als DTAs. Der Begriff setzt sich allerdings nur langsam durch.

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