Prof.Dr.rer.nat.habil.Erhard Geißler © MDC Foto David Ausserhofer
Prof.Dr.rer.nat.habil.Erhard Geißler© MDC Foto David Ausserhofer

Die DDR und die biologischen Waffen

 

Der 100. Geburtstag des nach seiner Haftentlassung in die DDR gegangenen „Atomspions“ Klaus Fuchs war unter anderem ein Anlass zu diskutieren, welche Motive einzelne bewegen, im Interesse der Menschheit Verant­wortung auf sich zu nehmen und zur Sicherung des Friedens beizutragen. Im Mittelpunkt standen dabei die internationalen Bemühungen um eine atomwaffenfreie Welt. Aber die anderen Massenvernichtungsmittel wurden nicht ausgeklammert. Da bot sich an, einige Bemerkungen zu dem Thema „die DDR und die biologischen Waffen“ zu machen.

Aus offizieller Sicht gibt es dazu Erinnerungen von zwei Abrüstern aus dem diplomatischen Dienst.[1] Mein Beitrag dagegen ist vor allem aus „grass root“-Sicht entstanden. Wie ich als Genetiker und experimenteller Krebsforscher über­haupt dazu kam, mich für Abrüstung und gegen den militärischen Missbrauch meiner Dis­zi­plin einzusetzen ist an anderer Stelle ausführlich dargestellt.[2] Dabei wird auch erwähnt, dass ich diese außerhalb meiner eigentlichen Dienstaufgaben betriebenen Aktivitäten im Gegen­satz zu Klaus Fuchs ziemlich offen entfalten konnte, obwohl ich vor allem mit meinen For­de­rungen nach einem Zusatzprotokoll zur Biowaffenkonvention, nach Verifikation und nach völliger Transparenz zunächst – bis Mitte September 1986 – aber auch darüber hinaus durch­aus gegen den ostblockalen Mainstream schwamm.

Im ersten Teil meiner Ausführungen erläutere ich einige Aspekte des Umgangs mit dem Thema Biowaffen in der DDR an Hand von Dokumenten die erst nach der Wende zugänglich wurden und die ich im Rahmen meiner am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin mit Mitteln der Volkswagen-Stiftung betriebenen historischen Studien ausgewertet habe. Im zweiten Teil schildere ich meine persönlichen Erfahrungen auf dem biologischen Rüstungs­begrenzungsgebiet. Sie begannen in biowissenschaftlichen Instituten in Rostock und Berlin-Buch, also in den „grass roots“, wurden später aber in einem „Basiskollektiv Friedens­forschung“ an der Akademie der Wissenschaften der DDR sozusagen legalisiert. Wie in Teil III skizziert wird konnten sie sogar über die Wende hinaus am alten Arbeitsplatz in Berlin-Buch, nämlich in der Forschungsgruppe Bioethik des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin fortgeführt werden, im „Unruhe“stand eines Gastwissenschaftlers sogar bis heute.

 

Teil I

Nicht nur atomare, sondern auch biologische und Toxin-Kampfmittel (BW bzw. TW) sind Massenvernichtungswaffen, zumindest einige von ihnen: Ob der militärische Einsatz von Pesterregern (Yersinia pestis) gegen Kaffa 1346 für den verheerenden Seuchenzug des „Schwarzen Todes“ tatsächlich verantwortlich war, ist umstritten.[3] Die verbürgten Aktivitäten des deutschen militärischen Geheimdienstes, im Ersten Weltkrieg in mehreren Ländern mit den Erregern von Milzbrand (Bacillus anthracis) und Rotz (Burkholderia mallei) Biosabotage­unternehmungen durchzuführen (allerdings nur gegen Tiere), blieben weitgehend folgenlos, nicht zuletzt wegen des Fehlens geeigneter Verbreitungsmethoden.[4] Höchst effiziente Verfahren zur Verbreitung von BTW stehen aber inzwischen, vor allem seit den intensiven Rüstungsaktivitäten während des kalten Krieges, zur Verfügung[5]: Werden Milzbrandsporen, die Dauerformen von Bacillus anthracis, über einer Zehn-Millionen-Stadt versprüht, dann kann schon ein Kilogramm davon mehr als ein­hun­dert­­tausend Todesopfer zur Folge haben, die an Lungenmilzbrand sterben.[6]

Es gibt aber einen gravierenden Unterschied zu nuklearen und chemischen Massen­ver­nichtungsmitteln: Milzbrandbakterien, die mit am meisten gefürchteten biologischen Kampf­mittel und Bioterrorwaffen, können auch vom Menschen unbeabsichtigt Infektionen hervor­rufen, in erster Linie den meist kurablen Hautmilzbrand (während der durch Einatmen von Milzbrandsporen verursachte Lungenmilzbrand unter normalen Bedin­gungen extrem selten ist). Bei bestimmten Berufsgruppen, die oft mit Tierfellen zu tun haben, ist Milzbrand sogar als Berufskrankheit anerkannt. Analog kann auch eines der gefürchtetsten Toxin-Kampf­mittel, das Botulinum-Toxin, natürlicherweise krankmachen. Nicht selten verursacht es Lebens­mittelvergiftungen, insbesondere nach dem Verzehr „verdorbener“ Wurstkonserven, in denen sich die Toxin-bildenden Clostridien vermehren konnten. Andererseits wird es als „Botox“ gelegentlich sogar zur Schönheits­pflege eingesetzt.

Dies beweist: Biologische und Toxin-Kampfmittel (BTW) sind keine eigens für kriegerische oder terroristische Zwecke entwickelte Waffen­systeme, sondern „dual-threat agents“ (DTAs), zweifach bedrohliche Agenzien. Das macht biologische Rüstungskontrolle einschließlich der Bemühungen zur Verhinderung bioterroristischer Anschläge so schwierig.

 

Die biologische Rüstungsspirale hätte vermieden werden können

Die Versuche des deutschen Geheimdienstes, Bakterien im Ersten Weltkrieg als Bio­sabotagemittel einzusetzen, falsche Geheimdienst­berichte sowie Desinformations­kam­pagnen deutscher antifaschistischer Emigranten, die die Welt vor Hitlers angeblichem Streben nach biologischer Kriegsführung warnen wollten, führten dazu, dass in der Zeit zwischen den großen Kriegen weltweit biologische Rüstungs­programme aufgelegt wurden[7] – außer in Deutschland.[8] Zwar war 1925 ein internationales Verbot des Einsatzes chemischer und auch biologischer Waffen vereinbart worden, das Genfer Protokoll, aber das betraf eben nur den Einsatz solcher Kampfmittel, nicht deren Entwicklung, Erprobung, Produktion und Lagerung. Trotzdem kam es im Zweiten Weltkrieg auf dem europäischen Kriegsschauplatz nicht zur Anwendung von BTW[9] (wohl aber in Ostasien durch Japan[10]). Behauptungen, die deutsche Wehrmacht habe 1943 in Italien Malaria-Epidemien als Mittel der biologischen Kriegsführung ausgelöst,[11] bzw. sei durch die sowjetische Armee mit Tularämie-Erregern (Francisella tularensis) ange­griffen worden,[12] sind völlig aus der Luft gegriffen und widerlegt worden. Allerdings waren die Angloamerikaner, vor allem die Briten, für biologische Angriffe gerüstet - aber nur als Vergeltungsmaßnahme für den Fall, dass der (fälschlicherweise erwartete) deutsche Einsatz von BTW erfolgte.[13]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde, vor allem nach Ausbruch des Kalten Krieges, auf beiden Seiten biologisch weiter- bzw. aufgerüstet. Die USA intensivierten ihr BTW-Progamm, insbesondere unter Verwendung der zuvor von den Japanern erworbenen Erkenntnisse.[14] Die UdSSR dagegen war unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst ganz offenbar nicht an einer Wiederaufnahme ihres BTW-Programms interessiert, zumal das ja noch vor dem Krieg durch Stalin erheblich amputiert worden war.[15] Ein Indiz dafür ist die Tatsache, dass die sich bei Kriegs­ende in der Sowjetischen Be­satzungs­zone (SBZ) auf­haltenden Wissen­schaftler, die in die rudi­men­tären deut­schen BTW-Aktivitäten verwickelt waren, nach Einmarsch der Roten Armee im Gegensatz zu anderen Rüstungsexperten – Raketen­tech­ni­kern, Kern­physikern, Chemi­kern und anderen „Spe­zia­listen“[16] – nicht in die Sowjetunion verbracht wurden. Alle durften in der SBZ in ihren Positionen weiter tätig sein und konnten dann in der DDR beziehungsweise in der BRD unge­hindert Karriere machen.[17]

Das galt unter anderem für Hans Stubbe, der ab 1943 im „Kaiser-Wilhelm-Institut für Kul­turpflanzenforschung“ in Tuttenhof bei Wien begonnen hatte, gemeinsam mit Hansjörg Eichler, Werner Rothmaler und Otto Schwarz Untersuchungen über die Eignung von Un­kraut­­samen als biologische Waffe durchzuführen.[18] Stubbe wurde Direktor des Akademie-Instituts für Genetik und Kulturpflanzenforschung der Deutschen Akademie der Wissen­schaften zu Berlin in Gatersleben, Ordinarius für Genetik an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und Nestor der DDR-Genetik. Rothmaler und Schwarz wurden namhafte Hochschullehrer und Instituts­di­rek­toren in Greifswald beziehungsweise Jena.

 

Ein Biowaffenlabor in Berlin-Buch?

Das sowjetische Desinteresse hielt allerdings nicht lange an. Schon 1946 nahm die UdSSR sowohl defensive als auch offensive BW-Aktivi­täten wieder auf.[19] Im gleichen Jahr beauftragten die Sowjets Stefan Winkle, dem Direktor des Hygienischen Instituts der Friedrich-Schiller-Universität, in Jena ein Laboratorium zur Psittacose-Diagnostik einzurichten und statteten dieses – während andernorts in der SBZ großflächig demontiert wurde – großzügig apparativ aus. Gleichzeitig versuchten sie, sich in den Besitz von Erregern der Papageienkrankheit (Chlamydo­phila psittaci) zu setzen, was von Winkle zunächst erfolgreich verhindert werden konnte. Winkle hatte den nicht unbegründeten Verdacht, dass Psittakose-Erreger als biologische Kampfmittel genutzt werden könnten und dass sich die Sowjets deshalb diese Chlamydien beschaffen wollten. Der Ausbau des Psittacose-Laboratoriums wurde daraufhin wieder gestoppt und seine Einrichtung wieder abtransportiert.[20]

Leider können wir den 2006 verstorbenen Stefan Winkle nicht mehr fragen, ob er damals die eben veröffentlichte, zuvor aber zunächst fünf Jahre lang geheim gehaltene US-amerikanische Expertise gelesen hatte, derzufolge der Psitta­kose-Erreger von seinen Eigenschaften her „eines der nützlichsten Agenzien für bio­logische Kriegs­führung sein könnte“.[21] In dieser bereits 1942 erstellten Studie wird hervorgehoben, dass der Erreger „mit hoher Infek­tiosität für den Menschen […] auf dem Luftwege über­tragen werden [kann]. Große Mengen des Erregers sind leicht ver­fügbar, und seine ‚Retroaktivität’ [womit die Autoren die gefürchtete Bumerang-Wirkung bio­logischer Kampf­mittel meinten] kann durch Vakzinierung eingeschränkt werden“. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg galten diese Bakterien zumindest in den USA als für biologische Kriegs­führung „besonders interessant“ und wurden im US Army Medical Research Institute of Infectious Diseases in Fort Detrick be­arbei­tet.[22] Insofern wundert es nicht, dass auch die Sowjets 1946 ganz offenbar auf die Idee kamen, diese Rickettsie auf ihre Eignung als biologisches Kampfmittel zu testen.  

Winkles Engagement wäre allerdings fast durch den führenden deutschen Virologen Eugen Haagen hintertrieben worden, der zu dieser Zeit nach seiner Entlassung aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft in Jena auftauchte und dort von dem sowjetischen Interesse erfuhr. Haagen ließ sich von Winkle mit dessen Gesprächs­partner von der Thüringer Verwaltung der Sowjetischen Militäradministration (SMA) in Weimar, Major Winogradow, bekannt machen und sagte dem, er habe davon gehört, dass die Russen an Psitta­kose-Erregern interessiert seien, dass aber keine beschafft werden konnten. Ihm, Haagen, sei es gelungen, die Rickettsie auch in Ostsee-Möwen nachzu­weisen.

Wenn er ein Labor und Mitarbeiter bekäme sowie eine größere Anzahl tiefgekühlter Ostsee­möwen, dann könne er innerhalb von drei bis vier Monaten garantiert einige Psittakose-Stämme isolieren. Winogradow verständigte sofort das Hauptquartier der SMA in Berlin-Karlshorst. Dort wurde unverzüglich entschieden, Haagen ein Forschungslabor im ehemaligen Kaiser-Wilhelm-Institut für Hirnforschung in Berlin-Buch einzurichten, das zu dieser Zeit noch der Kontrolle der SMA unterstand, bevor es am 27. Juni 1947 der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin übertragen wurde.[23]

Zwar hatte Haagen dann mit seinem Projekt tatsächlich angefangen, nachdem er im Oktober 1946 nach Berlin um­gezogen war[24] und nachdem man im ehemaligen Kaiser-Wilhelm-Institut für Hirnforschung (im heutigen Oskar-und-Cécile-Vogt-Haus des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin) die räumlichen und arbeitsmäßigen Voraussetzungen für ein von ihm geleitetes „Institut für Virus- und Geschwulstforschung“ geschaffen hatte.[25] Haagen konnte aber für seine sowjetischen Auftraggeber nicht viel tun. Am 16. November 1946 wurde er unter einem Vorwand[26] nach Westberlin gelockt, dort von britischen Mili­tär­polizisten verhaftet und später an franzö­si­sche Behörden ausgeliefert. Wegen der von ihm durchgeführten Menschenversuche wurde Haagen Ende 1952 von einem franzö­si­schen Kriegs­gericht in Metz zunächst zu lebenslänglicher Zwangsarbeit, zwei Jahre später zu 20 Jahren Zwangsarbeit verurteilt.[27]

Nach ent­spre­chen­den Bemühungen der westdeutschen Ärztekammern und der Bun­des­­­re­gie­rung wurde er aber schon wenige Wochen nach seiner Verurteilung begnadigt und in die Bundesrepublik abgeschoben. Dort sah man über die Gründe für seine Inhaf­tie­rung zunächst großzügig hinweg. Die 1952 gegründete „Bundesforschungs­anstalt für Viruskrank­heiten“ Tübingen, der west­deut­sche Ableger der Forschungsanstalt für Tierseuchen Insel Riems unter ihrem Gründungs-Präsidenten, dem ehemaligen Riemser Vizepräsidenten Erich Traub, gewährte ihm Gast­recht und die Deutsche Forschungsge­mein­­schaft (DFG) unterstützte seine Untersuchungen. Ledig­lich die Deutsche Akademie der Natur­forscher „Leopoldina“ in Halle zog ihre Konse­quenzen und strich ihn nach seiner Verurteilung in ihrer Mitgliederliste.[28] Das war ein für die „Leopoldina“ äußerst un­ge­wöhn­licher Vorgang.[29]

Ob und inwieweit dann nach dem Ausfall Haagens im Rahmen des sowjetischen Bio­waffen­programms doch mit C. psittaci gearbeitet wurde, ist nicht sicher.[30] Leitenberg und Zilinskas erwähnen in diesem Zusammenhang lediglich Haagens Bemühungen – stellen sie allerdings falsch dar.[31]

Jedenfalls war Haagens jäh unterbrochene Bucher Aktivität der einzige Versuch, in Nach­kriegs-Ostdeutschland BTW-Forschungen aufzunehmen. Tatsächlich war ja Deutschland im Potsdamer Abkommen vom 2. August 1945 die Her­stel­lung von „Kriegsmaterial“ verboten worden.

 

B-Schutzmaßnahmen in der DDR

Allerdings befasste man sich in der DDR wie in der Bundesrepublik und in vielen anderen Staaten mit entspre­chenden Schutz­maß­nah­men. Bei uns erfolgte das relativ intensiv, gab man sich doch davon überzeugt, 1950 von den USA mit Kartoffel­käfern angegriffen worden zu sein.[32] Das war eindeutig eine Desinformationskampagne. Später war für solche Aktionen – auf die noch zurückzukommen sein wird – die Abteilung X der Hauptverwaltung Aufklärung des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) zuständig, aber die gab es damals noch nicht. Zumindest ursächlich mitbeteiligt war Politbüromitglied Paul Merker, der auch die Bezeichnung „Amikäfer“ erfand.[33] Jedenfalls fielen nicht nur „der Mann auf der Straße“ – in manchen ländlichen Gebieten bis heute – auf die Aktion herein, sondern selbst ausgewiesene Experten des MfS.[34] Als Quelle für die angeblich bewiesene Aktion der Amerikaner zitieren sie den Finanzminister der DDR, der seinerseits von einem Journalisten zitiert wird…

Auch glaubte man in der DDR[35] – und einige, auch im westlichen Ausland, glauben sogar bis heute[36] –, dass die USA ab 1952 biologische Kampfmittel gegen Nordkorea und China eingesetzt hätten. Das war aber ganz offenbar das Produkt einer sowjetischen Desinformations­kampagne.[37]

Schließlich fürchtete man in der DDR allen Ernstes, „dass die Westmächte nicht auf ihre Aggressionsbasen in Deutschland ver­zichten wollen, sondern ihren Machtbereich sogar auch auf die Deutsche Demokra­ti­sche Republik ausdehnen möchten. Der offensichtliche Zusam­men­hang zwischen dieser Politik und den Atomkriegsvorbereitungen der NATO auf west­deutschem Boden zwingt uns, die Verteidigungsfähigkeit der Deutschen Demokratischen Republik zu erhöhen“.[38]

Folglich wurde im Februar 1958 ein „Gesetz über den Luftschutz in der DDR“ erlassen und ein entsprechender „Medizinischer Dienst“ eingerichtet.[39] Seine ersten Maßnahmen schlossen mehrere Ver­öffent­lich­ungen zum Thema „biologische Kriegsführung ein,[40] sowie Ausbildungs­lehr­gänge, in denen solche Fragen ebenfalls behandelt wurden.[41] Auf Beschluss des Ministerrates wurde 1964 zur Koor­di­nierung der Aufgaben, die „im Interesse der Landes­verteidigung“ durchgeführt werden, beim Gesundheitsminis­terium eine „Koordinierungs­ab­teilung“ als „selbständige militärische Abteilung“ ein­gerichtet.[42] Die forderte unter anderem die „Schaffung von Impfstoffen gegen alle in einem biologischen Krieg zu erwartenden Erreger. Anzustreben ist dabei die Kom­bi­nation möglichst vieler Impfstoffe“. Da „ein plötzlicher Überfall durch den Gegner [...] nicht die Zeit zur Durchführung rechtzeitiger Impfaktionen“ lässt müsse „die Impfpflicht für die gesamte Bevölkerung [...] entsprechend den praktischen Mög­lich­keiten erweitert werden unter Berücksichtigung der für den bakteriologischen Krieg in Frage kommenden Erreger“.[43]

Ende 1963 erfolgte die Bildung einer „Problemkommission ‚Medizinische Sicher­stellung der Landesverteidigung’“ als „Arbeitsorgan des Rates für Planung und Ko­or­dinierung der medizinischen Wissenschaft“.[44] Leiter war der Greifswalder Pharma­kologe Werner Scheler, sein Stellvertreter der Chef des Medizinischen Dienstes der Nationalen Volksarmee (NVA) Generalmajor Kurt Geiger. Eine der sieben Arbeits­gruppen der Kommission beschäftigte sich unter Leitung des Bakteriologen Friedrich Oberdoerster mit der Planung und Koordinierung von Forschungs- und Entwicklungsarbeiten zum B-Schutz.[45]

Gewährleistung des Infektionsschutzes in der NVA war – neben Aus- und Weiterbildung militärmedizinischer Kader – auch die Hauptaufgabe des 1963 gegründeten Instituts für Biologischen Schutz, später Institut für Feldepidemiologie und Mikrobiologie genannt, der Militärmedizinischen Sektion der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald. Arbeits­schwer­punkte waren die Entwicklung eines epidemiologischen Feldlabors, die Schaffung diag­nos­ti­scher Richtlinien sowie Arbeiten zum Nachweis von Erregeraerosolen.[46]

Mitarbeiter des Greifswalder Instituts waren auch – gemeinsam mit Experten der Mili­tärmedizinischen Akademie Bad Saarow – an der Ausarbeitung vertraulicher bezie­hungs­­weise geheimer Dienstanweisungen beteiligt, die biologische Kampf­mittel und entsprechende Kriegführung betrafen,[47] sowie am Handbuch der Militärmedizin.[48] In dessen Band Innere Militärmedizin gibt es ein ausführliches Kapitel über „Schädi­gung durch biologische Kampfmittel“ (biKM)[49], bearbeitet vom Internisten der Militärmedi­zinischen Akademie Horst Koch. Der leitet seinen Text mit der Bemerkung ein, dass biKM „mit unterschiedlichen Absichten von imperialistischen Mächten gegen die Menschheit angewendet werden“ können. Von Anfang an wird aber auch auf die 1972 vereinbarte Biowaffenkonvention hingewiesen, wobei merk­würdiger­weise aber unerwähnt bleibt, dass die DDR zu den Erstunterzeichnern dieses Vertrages gehörte.

Noch merkwürdiger ist, dass in dem zwei Jahre nach der Inneren Militärmedizin er­schie­nenen Band des Handbuchs, der sich mit Militärhygiene und Feldepidemiologie beschäftigte, biologische Kampf­mittel und ihre Wirkung nur indirekt erwähnt werden. Ein einziges Mal wird die Problematik – von Heinz Schumann in einem einleitenden Abschnitt - explizit angesprochen: „Eine extreme Verschlechterung der epidemio­lo­gi­schen Lage wäre zu erwarten, wenn der Gegner sich über die am 10. 04. 1972 unter­zeichnete ‚Konvention über das Verbot der Entwicklung, Herstellung und Lagerung von bakteriologischen (biologischen) und Toxinwaffen und über ihre Ver­nichtung“ hinweg­setzte und Infek­tions­erreger bzw. deren Toxine artifiziell verbreiten würde“[50]. In diesem Zusammen­hang wird auch auf die entsprechende Bekannt­machung im Gesetzblatt der DDR verwiesen. Bei der anschließenden näheren Darstellung werden dann aber im­mer Umschreibungen gewählt, wie beispielsweise: „Die Erreger der meisten transmissiv übertragbaren Infektionen können auf aerogenem Wege artifiziell verbreitet werden. Dabei entstehen primär Explosivepidemien.[51] […] [B]ei vorsätzlicher Verbreitung der Pockenerreger [könnten] gewaltige Epidemien mit verheerenden Folgen entstehen. Die Bereitschaft zur Abwehr dieser poten­tiellen Kriegsseuche muss deshalb auch weiterhin gewähr­leistet werden.[52] […] Im Falle eines Krieges ist es auch heute möglich, dass die Fleck­fiebermorbidität in Europa infolge der Verschlechterung des hygienischen Zustandes erneut sprunghaft ansteigt, insbesondere wenn Rickettsia prowazekii artifiziell ver­brei­tet würde.[53] […] Da Yersinia pestis sich durch eine relativ gute Umweltstabilität aus­zeichnet und die Lungenpest eine sehr hohe Kontagiosität aufweist, kann die Krankheit bei artifizieller Verbreitung ihrer Erreger eine erhebliche militärmedizinische Bedeutung erlangen.[54] […] Bacillus anthracis und seine Sporen, das wohl gefürchtetste biologi­sche Kampfmittel und die von ihm verursachte Erkrankung finden in diesem Band dagegen keine Erwähnung, obwohl es in der Inneren Militärmedizin heißt: „Bacillus anthracis ist sehr gut als biKM geeignet“.[55]

Warum diese Zurückhaltung im Gegensatz zu den Autoren des Vorgänger-Bandes? Sollte das Thema aus Sicht der Militärmediziner in der Öffentlichkeit nicht explizit angesprochen werden? Andererseits wurde aber von zivilen Autoren seit den 1950er Jahren offen über diese Problematik publiziert,[56] unter anderem selbst im Zentralorgan der SED[57] – was übrigens auch in der Bundesrepublik Deutschland registriert und auszugsweise nachgedruckt wurde.[58]

Bis in die 1980er Jahre hinein, also auch nach In-Kraft-Treten der Biowaffenkon­vention fühlte sich die DDR-Führung noch nicht sicher vor Angriffen oder Anschlägen mit BTW. Ob den Verantwortlichen bewusst war, dass die sowjetischen „Freunde“ ohnehin nicht die Obligationen dieses Vertrages einhielten, wird kaum noch zu klären sein. Permanent wurden aber die US-Imperialisten und auch ihre westdeutschen „Handlanger“ beschuldigt, vertragswidrig biologisch weiterzurüsten.

Zu dieser Zeit rückte jedenfalls vor allem eine mögliche Gefähr­dung der DDR durch Biosabo­tage­akte in den Vorder­grund, was von Experten des Ministeriums für Staatssicherheit sehr gründlich analysiert wurde.[59] In dieser geheimen Verschlusssache ging es allein um den Schutz von Personen und Einrichtungen der DDR vor biologischen Anschlägen. Beispielhaft sei erwähnt, dass die Experten der „Möglichkeit, biologische oder biotoxikologische Aerosole über Lüftungsanlagen gezielt an kleinere oder größere Personengruppen heranzutragen“ eine besondere Bedeutung bei­maßen.[60] In diesem Zusammenhang erwähnten sie, dass die Luftansaugschächte des Palastes der Republik zu tief angelegt seien und dass „Neubauten vom Typ PQ 2, in denen auch Mitarbeiter des MfS wohnen (Berlin-Friedrichshain, Lenin-Platz) […] die Luftansaug­schächte zur Belüftung der innen liegenden und fensterlosen Küchen und Sanitärzellen unmittelbar über dem Erdboden neben den Haupteingängen“ haben, wo sie jedermann unmittelbar zu­gängig seien. Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang, dass – wohl nach den brutalen Anschlägen von „9/11“ und nach dem Versand der Milzbrandbriefe die Lage der zuvor frei zugäng­lichen Luftaschächte der New Yorker Börse verändert worden ist.

Noch im Oktober 1981 fand im Kreis Zittau eine streng ge­heime Übung „Virus 81“ statt, um „[d]ie Handlung des Vor­sitzenden des Rates des Bezirkes und Leiter der Zivilverteidigung zur Führung und Bekämpfung eines bio­lo­gischen Wir­kungsherdes“ zu erproben.[61] Die Übung wurde so wichtig genommen, dass der von Gesundheitsminister Ludwig Mecklinger – vor­mals unter anderem Kommandeur der Militärmedizinischen Sektion an der Universität Greifswald – erstattete Bericht über deren erfolgreichen Verlauf von Polit­büromitglied Kurt Hager sogar an den Staatschef der DDR, den Vorsitzenden des Staatsrates Erich Honecker weitergeleitet wurde.[62]

Vielleicht wurde das Thema damals so ernst genommen, weil nicht nur die politische Großwetterlage wegen des drohenden Doppelbeschlusses der NATO sehr bedrohlich schien, sondern weil zu dieser Zeit ein vorgeblich „verantwortungsbewusster“ westdeutscher Wissenschaftler, Ehrenfried Petras, gerade in die DDR übergesiedelt war, weil in der Bundesrepublik immer intensiver biologisch aufgerüstet würde und er seine bis dahin betriebene Mitarbeit an einem biologischen Rüstungsprojekt nicht länger mit seinem Gewissen vereinbaren konnte. Behauptete er.[63]

Die Regierung reagierte auf die vom Ministerium für Staatsicherheit gemeinsam mit dem Nationalrat der „Nationalen Front“ generalstabsmäßig inszenierten „Enthüllungen“ Petras’ heftig und beschwerte sich nicht nur bei der Bundes­regierung, sondern auch beim Generalsekretär der Vereinten Nationen. Auch das Plenum der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin schloss sich am 4. September 1969 mit einem Appell “an alle Wissen­schaftler, an alle Menschen guten Willens, denen das Schicksal unseres Planeten nicht gleichgültig ist” denen an, die vor den insbesondere aus der BRD drohenden Gefahren chemischer und biologischer Waffen warnten. Der Aufruf wurde mit der Behauptung verbunden, “dass in den letzten Jahren westdeutsche Regierungsstellen unter Bruch der nach dem 2. Welt­krieg für Deutschland getroffenen Regelungen ein ganzes System der Erforschung, Erprobung und Produktion von chemischen und biologischen Kampfstoffen etabliert haben”.[64]

Keiner wusste damals, offenbar auch die westdeutschen Geheimdienste nicht, dass es sich hier um eine großflächig und weltweit betriebene Desinformationskampagne der Hauptver­waltung Aufklärung des MfS handelte, mit der nicht nur außen- und innenpolitisch Stimmung gemacht sondern auch der Rückruf ihres von einer Enttarnung bedrohten „Kundschafters“ Petras bemäntelt werden sollte.[65]

 

 

Teil II

Grass roots-Interesse an biologische Waffen.

Meine Mitarbeiter und mich haben Petras’ Auftritte und Publikationen damals nur marginal beeindruckt. Havemanns Artikel habe ich damals wohl nicht gelesen, obwohl er mein Doktorvater war. Den Artikel meines Rostocker Kollegen Keil kannte ich, aber er hat mich nicht sonderlich bewegt. Und über die Amikäfer machten wir Witze.

Unser Interesse an BW und biologischer Abrüstung wurde stattdessen indirekt geweckt. Ab Mitte der 1960er Jahre verunsicherten von Journalisten aus dem Zusammenhang geris­sene Menschenzucht-Phantastereien einer hochrangig bestückten Ideenkonferenz über „Man and his Future“ die Öffentlichkeit in beiden deutschen Staaten (wenn auch mit weitaus weniger Resonanz als heutzutage).[66] In dadurch ausgelösten Diskussionen über die Gefahren der modernen Genetik kamen meine Mitarbeiter und ich bald zu der Überzeugung, dass – abge­sehen von kriminellem Missbrauch und den Taten unethischer Nurwissen­schaftler, die aber in der Regel immer nur einzelne Betroffene in Mitleidenschaft ziehen würden – wirklich globale Gefahren allein vom militärischen Missbrauch der Mikrobengenetik und anderer molekularbiologischer Disziplinen herrühren würden.

Auf den möglichen militärischen Missbrauch von Mikrobiologie und Molekulargenetik waren wir zu dieser Zeit durch ein paar Artikel aufmerksam geworden[67] sowie durch Informationen, die uns Ernst-Ulrich Weizsäcker zukommen ließ, der damals eine ent­sprechend interessierte Arbeitsgruppe der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler leitete.[68] Durch diese Artikelwurden wir auch auf die vielfältigen Bemühungen der Pugwash-Gruppe hinsichtlich einer Ächtung von BW und anderer Massenvernichtungsmittel aufmerk­sam.[69] Ein „Pugwashit“, Matthew Meselson – einer der Pioniere der Molekulargenetik – berichtete im Oktober 1970 über dieses Engagement von Wissenschaftlern in einem Aufsatz, den die von der DDR-Gewerkschaft Wissenschaft herausge­ge­bene Zeitschrift Wissen­schaft­liche Welt nachdruckte.[70] Meselsons Rolle zur biologischen Rüstungskontrolle kann gar nicht hoch genug gewürdigt werden. Er hatte im Jahre 1969 seinen ehemaligen Harvard-Kollegen Henry Kissinger, der inzwischen Präsident Nixons Sicherheitsberater geworden war, über­zeugt, dass biologische Waffen militärisch höchst fragwürdig sind,[71] was wesentlich dazu beitrug, dass Nixon 1969/70 einen Verzicht der USA auf weitere aktive BTW-Aktivitäten erklärte. Das war die entscheidende Voraus­setzung für die dann zügig verlaufenden und bereits 1972 abgeschlossenen Verhand­lungen über ein biologisches Abrüstungsabkommen, die Biowaffenkonvention.

 

Biologische Rüstungsbegrenzung erstmalig auch in Kühlungsborn diskutiert

Mindestens seit den 1960er Jahren war es in der DDR wenigstens im naturwissen­schaftlichen Bereich Pflicht, im Rahmen der Promotionsverfahren sich auch einer Prüfung in marxistisch-leninistischer Philosophie („ML“) zu unterziehen oder eine ent­sprechende Belegarbeit einzureichen. In Absprache mit dem Rostocker Philosophen Heinrich Vogel, der damals für die ML-Betreuung der Biologen zuständig war, konnten für unsere Doktoranden solche Themen ausgewählt werden, deren Bearbeitung nicht fachfremd war und den Blick auf philoso­phische, ethische und wissen­schafts­historische Aspekte der Bio­wissen­schaften öffnete.

So schlug sich unser neu gewecktes Interesse an den Chancen und Risiken der modernen Genetik auch darin nieder, dass Vogel und ich 1969 übereinkamen, einem meiner Dokto­randen, Horst Schlechte, das Thema „Probleme der biologischen Kriegführung“ zu stellen. Schlechtes Artikel sowie die ML-Arbeiten zweier weiterer Doktoranden, Siegfried Scherneck und Michael Theile, waren so gelungen, dass Hermann Ley und ich beschlossen, sie 1970 in den Mittelpunkt des ersten Kühlungsborner Kolloquiums über philosophische und ethische Probleme der modernen Genetik zu stellen.[72] Mit dieser Veranstaltung begründeten wir – zunächst überhaupt nicht so geplant – eine interdisziplinäre Kolloquiumsreihe mit internationaler Beteiligung, die bis 1995, also über die Wende hinaus, regelmäßig in dem Ostseebad und später auf der Insel Vilm durchgeführt wurden und die häufig auch Probleme zur biologischen Rüstungskontrolle auf der Tagesordnung hatten.[73] An der 1970er Tagung nahm auch Ehrenfried Petras teil – mit dem Ergebnis, dass dies sein letzter öffentlicher Auftritt war und dass die DDR sich nicht mehr mit Behauptungen über angebliche westdeutsche Biokriegsvorbereitungen blamierte.[74]

Nachdem wir die Abrüstungsproblematik erstmals in der DDR 1970 auf dem Kühlungsborner Kolloquium offen und öffentlich diskutiert hatten, wurde ich Anfang 1971 von einem Mitarbeiter des Zentralvorstands der Gewerkschaft Wissenschaft gefragt, ob ich im November an einer internationalen Konferenz der Weltföderation der Wissen­schaftler über „ABC-Waffen, Abrüstung und Verantwortung der Wissenschaftler“ teilnehmen und auch im entsprechenden Vorbereitungskomitee mitarbeiten wolle. Ich sagte gern zu und erklärte mich bereit, einen Vortrag zu halten und führte dort unter anderem aus: „eine unmittelbare, dem Menschen nachteilige Nutzung der genetischen Erkenntnisse ist bei der Entwicklung biologischer Waffen möglich, z.B. bei der Entwicklung von Bakterien und Viren mit hoher Virulenz, verändertem Antigenbestand, maximaler Resistenz gegenüber ultravioletten Strahlen und antibakteriellen bzw. antiviralen Mitteln“.[75]

Darüber gaben Karlheinz Lohs und ich gemeinsam mit Manfred von Ardenne ein Tabellen­werk über „Kernwaffen, chemische und biologische Kampfstoffe sowie ihnen strukturell und wirkungsmäßig nahestehenden Substanzen“ heraus.[76] Diese Tabellen wurden allen Tagungs­teilnehmern als Hintergrund­material zur Verfügung gestellt. Den B-Waffen-Teil erarbeitete mein Mitarbeiter Hubert Pöche, der gerade darüber seine Diplomarbeit geschrieben hatte.

 

Die Biowaffen-Konvention wird vereinbart

Es waren natürlich nicht nur ihrer Verantwortung bewusste Wissenschaftler und Techniker, die sich für ein Verbot biologischer Waffen und anderer Massenvernich­tungs­mittel einsetzten. Zwar existierte seit 1925 das so genannte „Genfer Protokoll“, das die Anwendung chemischer und biologischer Kampfmittel im Kriege verbietet. Bezüglich des Einsatzes von Biowaffen war es wenigstens in Europa bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs und darüber hinaus wirksam, und selbst Hitler schien sich bis zum Schluss daran gehalten zu haben. Das Genfer Protokoll verbietet jedoch nicht die Vorbereitung biologischer und chemischer Kriegsführung, und tatsächlich wurden nicht nur vor und während des Zweiten Weltkriegs, sondern auch danach im Kalten Krieg auf allen Seiten intensive Biowaffen-Programme betrieben.

Zwar war bereits 1946 in der ersten Resolution der Generalversammlung der Vereinten Nationen eine Ächtung der biologischen und chemischen Waffen gefordert worden, aber erst 1968 wurde damit begonnen, konkrete Verhandlungen darüber zu führen. Dies resultierte vier Jahre später in der Vereinbarung einer Konvention, die Entwicklung, Herstellung, Lagerung und Weitergabe biologischer und Toxin-Waffen verbietet. Nachdem 22 Staaten – unter ihnen die DDR bereits 1972 – diese Biowaffen-Konvention signiert und ratifiziert hatten, trat sie am 26. März 1975 in Kraft (die Bundesrepublik ratifizierte die Konvention, in der west­deut­schen Übersetzung „Übereinkommen“ genannt, erst 1983 – nicht, weil sie etwas gegen den Vertrag hatte, sondern weil sie keiner internationalen Konvention beitreten wollte, die auch die Unterschrift der DDR trug).

Der Abschluss der Biowaffen-Konvention führte weltweit zu einer weitgehen­den Beruhigung: Erstmals war ein komplettes (Massenvernichtungs-)Waffensystem verboten worden, und das noch dazu mitten im Kalten Krieg. Auch in der internationalen Literatur spielte die Frage der Biowaffen kaum noch eine Rolle – abgesehen davon, dass das SIPRI seine auf sechs Bände angelegte Buchausgabe abschloss, die aber nicht nur B-, sondern auch C-Waffen behandelte. Ich selbst habe dann die B-Waffen-Problematik im darauf­folgenden Jahrzehnt nur noch gelegentlich und eher marginal in Publikationen und Vorträgen erwähnt, meist im Zusammenhang mit der Frage, ob denn die durch die molekularen Biotechnologien eröffneten Möglichkeiten und vermittelten neuen Erkenntnisse von der Konvention mit erfasst wurden. Tatsächlich waren ja die ersten Methoden der Gentechnik genau zu dem Zeitpunkt entwickelt und publiziert worden, als die Konvention zur Ratifikation ausgelegt wurde und schließlich in Kraft trat.

So wurde ich ein­geladen, im April 1983 an einem Internationalen Rund­tisch­ge­spräch der Welt­­­föderation der Wissenschaftler über „Die Wissenschaft und des qualitative Wett­rüsten’“ teilzunehmen und dort über „Genetic engineering und die Gefahren des Einsatzes biologischer Waffen“ zu sprechen.[77] Das wurde auch vom Stockholm International Peace Research Institut (SIPRI) registriert. Daraufhin wurde ich gefragt, ob ich für das renommierte SIPRI-Jahrbuch einen Beitrag über dieses Thema schreiben wolle. Da bei der Akademie und ganz offenbar auch höheren Orts großes Interesse an einer Zusammenarbeit mit dem renommierten Stockholmer Institut bestand, und da ich zu dieser Zeit in der DDR und wohl auch im gesamten Gebiet des RGW der Einzige außerhalb des militärischen Bereiches war, der sich mit Fragen der biologischen Rüstungskontrolle beschäftigte und dazu auch publizierte, stimmte man dem Wunsch des SIPRI-Direktors zu und hatte keine Einwände gegen meine Mitarbeit am SIPRI. 1984 erschien mein entsprechender Beitrag.[78]

 

Ein Buch zur Stärkung der Biowaffenkonvention

Mein Jahrbuchkapitel stieß auf ziemliches Interesse, sodass SIPRI-Direktor Frank Blackaby mich darum bat, künftig dem Institut als Konsultant für Fragen der biologischen Waffen zur Verfügung zu stehen. In diesem Zusammenhang reifte der Plan für eine größere Publikation über biologische Rüstungskontrolle, die das SIPRI in Vorbereitung der für 1986 geplanten Zweiten Überprüfungskonferenz der Partnerstaaten zur Biowaffen-Konvention herausgeben wollte. Das Buch sollte sich erstens damit beschäftigen, dass die Bedeutung der B-Waffen-Konvention [im Folgenden immer als BWC bezeichnet] deutlich zugenommen habe, weil mit den Methoden der molekularen Biotechnologie wirksamere Bio- und Toxinwaffen entwickelt werden könnten und weil sich potentielle Angreifer selbst besser mit neuartigen Impfstoffen schützen könnten. Zweitens würde die BWC durch das Fehlen von Definitionen sowie durch die uneingeschränkte Erlaubnis für prophylaktische, schützende und andere friedliche Zwecke geschwächt, wobei das Problem der Impfstoffe gegen Biowaffen besonders untersucht werden müsste. Schließlich sei auch der Einfluss von Biowaffenaktivitäten, einschließlich von Schutzmaßnahmen, auf die Umwelt zu untersuchen. Im Nachhinein kann heute, im Jahre 2011, festgestellt werden, dass das ein ganz gutes Konzept war, und dass die angeführten Schwachstellen der BWC eigentlich noch bis heute existieren (was natürlich gleichzeitig die Bedeutungslosigkeit der entsprechenden Bemühungen von SIPRI und anderer Nicht-Regierungsorganisationen demonstriert).

Ursprünglich war geplant, dass ich für diese Aufgabe ein bis zwei Jahre direkt am SIPRI arbeiten sollte, finanziert je zur Hälfte von SIPRI und vom Umweltschutz­programm der Vereinten Nationen. Zwar hatten Akademie- und Institutsleitung keine Einwände und beantragten für mich die für einen langfristigen Aufenthalt im Ausland notwendige Erfassung als „Auslandskader“, wohl aber die Hauptverwaltung Aufklärung des Ministeriums für Staatssicherheit. In der für „Aufklärung Grundlagenforschung“ zuständigen Abteilung XIII der HV A fürchtete man, „dass ihre op. Arbeit am SIPRI durch Aktivitäten von G. gestört wird“[79]: Die HV A hatte einen Maulwurf im SIPRI, vermutlich im Governing Board, und der hat der Stasi in der Tat fleißig auch über mich und meine Aktivitäten berichtet.[80]

Gegen meine Erarbeitung eines Buches über biologische Rüstungskontrolle gab es aber keine Einwände, auch nicht gegen kürzere Besuche des SIPRI. Bei einem dieser Stockholmer Aufenthalte lernte ich Vladimir V. Volgin kennen, den für West­kontakte zuständigen stellvertretenden Leiter der Auslandsabteilung der sowje­tischen Akademie der Wissen­schaften. Dem schlug ich vor, dass auch mindestens ein sowjetischer Experte an dem Buch mitarbeiten solle, entweder mit einem eigenen Kapitel oder als Koautor des gemeinsamen Schlusskapitels. Das sollte nicht nur eine Zusammen­fassung der behandelten Probleme enthalten, sondern auch Vorschläge, die auf der bevorstehenden Überprüfungs­konferenz der B-Waffen-Konvention behandelt werden könnten. Volgin meinte, dass seitens der AdW der UdSSR vermutlich großes Interesse an dem Projekt bestünde und lud mich einige Zeit darauf offiziell zu einem Besuch nach Moskau ein. Akademie­mitglied Prof. A. W. Fokin der Sekretär der Abteilung Chemie der Akademie – habe meine Vorschläge geprüft und wolle mich „für die Vorbereitung eines Arbeitsplanes“ empfangen.

Mitte Dezember 1985 fuhr ich dann also nach Moskau – viel besser betreut und unterge­bracht als bei früheren Besuchen in der Sowjetunion, denn diesmal war ich Gast der Westabteilung der Akademie. Aber die Gespräche mit Fokin und anderen Partnern waren wenig er­giebig. Fokin schien weder sonderlich informiert noch vorbereitet – aber viel­leicht war das auch nur gespielt. Immerhin zeigte er Interesse, begrüßte das Pro­jekt, und wollte meinen Vorschlag, sowjetische Wis­sen­schaftler am Schluss­kapitel zu beteiligen, gemeinsam mit Yu. A. Ovchin­nikov besprechen, dem Vizepräsidenten der Akademie und deren Sekretär für Biolo­gie. Ich weiß nicht, ob Fokin damals tatsächlich mit Ovchin­nikov über meinen Vorschlag gesprochen hat – herausgekommen ist jedenfalls nichts. Nicht einmal zu einer Unterstützung (oder auch Kritik) der im Schlusskapitel des Buches von den Autoren gemachten Empfeh­lungen durch sowjetische Experten kam es, obwohl inzwischen unsere Akademie-Leitung ein offizielles Schreiben an die Partner­aka­demie in Moskau mit der Bitte um Unterstützung meines Anliegens gerichtet und obwohl ich schon Mitte Februar 1986 vom SIPRI aus alle Manuskripte für das Buch sowohl auf dem Postwege als auch über die sowjetische Botschaft in Stockholm nach Moskau gesandt hatte. Möglicherweise lag das daran, dass in diesem Kapitel ausdrücklich Verifikationsmaßnahmen gefordert worden, was seitens der Sowjetunion zu diesem Zeitpunkt noch strikt abgelehnt wurde.

Während so die Versuche fehlgeschlagen waren, sowjetische Koautoren zu gewinnen, konnte ich wenigstens – neben meinem Koautor, dem Toxikologen Karlheinz Lohs – drei weitere Genossen aus der DDR bewegen, das Schlusskapitel unseres Buches mitzu­unterzeichnen: der Genetiker Helmut Böhme, der Pharmakologen Friedrich Jung und der Chemiker Ralf Trapp. Darüber hinaus schlossen sich uns die beiden slowakischen Virologen Dionỷz Blaškovič und Ladislav Borecký an. (Ursprünglich war auch ein führender DDR-Völker­rechtler zu einem Endorsement bereit, zog seine Zusage aber – vermutlich auf Betreiben unseres Außenministeriums – wieder zurück.)

Da andere Experten, die die Empfehlungen mittrugen, aus der BRD, Japan, Schweden und den USA stammten, war der Kreis der Autoren und Befürworter zwar halbwegs ausgewogen, aber nicht Tendenz und Inhalt des Buches. Amerikanische B-(Schutz-) Aktivitäten wurden sehr ausführlich behandelt und zumindest zum Teil hinsichtlich ihrer Intentionen in Frage gestellt, vergleich­bare sowjetische Bemühungen dagegen nur ganz marginal.

Das lag unter anderem daran, dass es keine verlässlichen Informationen über eventuelle sowjetische Biowaffenaktivitäten gab, nicht einmal über entsprechende Schutzmaßnahmen, die ja von der Konvention durchaus erlaubt werden. Davon abgesehen war ich trotz aller politischen und ideo­lo­gischen Differenzen mit meinem Staat und trotz aller Vorbehalte dem sowjetischen System gegenüber merk­würdigerweise auch im fortgeschrittenen Alter immer noch ein true believer, ein naiver Glaubender. Ich war tatsächlich noch bis kurz vor der Wende überzeugt davon, dass die Sowjetunion die Biowaffenkonvention strikt einhielte, zumal sie einer deren Depositarstaaten war.

Erst Matthew Meselson gelang es im Februar 1989, meinen Glauben an die sowjetische Vertragstreue, nämlich an ihre Version von der 1979er Swerdlowsker Milzbrand-Epidemie, zu erschüttern (die er zunächst im Gegensatz zur US Administration nicht für rundweg unglaubhaft gehalten hatte[81]): Als ich ihn in seinem Institut in Cambridge, MA, besuchte, zeigte er mir eine Luftaufnahme von Swerdlowsk, die er beim französischen Satelliten-Unternehmen SPOT gekauft hatte. In Kombination mit einem aus der Washingtoner Kongress-Bibliothek besorg­ten Plan dieser Stadt konnte er mir genau die Lage der sowjeti­schen Bio­waffen-Einrichtung zeigen, von der die Erreger aus­ge­treten und sich in bestimmter Wind­richtung verbreitet haben könnten. Ein paar Jahre später konnte Meselson mit einer amerikanisch-russischen Expertengruppe an Ort und Stelle tatsächlich überzeugende Beweise dafür sammeln, dass die Epidemie durch ein Leck in einer Biowaffen-Einrichtung verursacht worden war.[82] Aber das konnte ich während der Arbeit an dem Buch natürlich noch nicht wissen.

Jedenfalls wurde das Buch überall wohlwollend und mit Interesse aufgenommen – zumal es neben der sechsbändigen SIPRI-Publikation über biologische und chemische Waffen[83] und einer populären Darstellung von zwei britischen Journalisten[84] jahrlang keine größeren Veröffentlichungen zu diesem Thema gegeben hatte. Aber im „Westen“ war die Reaktion süßsauer. Beispielsweise urteilte ein Major der US Army, die erklärte Absicht des Buches sei es, „ Wege aufzuzeigen, wie das Vertrauen in die Konvention gestärkt werden kann. […] Das Buch stellt aber sehr effektiv die Schwierigkeiten und Problemfelder der 1972er Konvention heraus und enthält Vorschläge, wie diese Konvention gestärkt werden kann“.[85] Es werde aber „sofort deutlich, dass der Autor die Ent­wicklung biologischer und Toxin-Waffen ausgesprochen einseitig darstellt und dem Leser die Vorstellung vermittelt, dass solche Waffen in erster Linie in den USA erforscht und entwickelt werden. [...] Die Tatsache, dass die Sowjets die größte militärische offensive und defensive che­mische Kapazität haben (und deshalb ein Potential für biologische und Toxinwaffen) wird nicht diskutiert“. Natürlich hatte der Rezensent Recht, aber so war das Leben.

Allerdings schien es dem Rezensenten nicht explizit erwähnenswert, dass in dem Buch im Widerspruch zur Politik der Warschauer Vertragsstaaten mehrfach die Einführung von Verifikations­maß­nahmen gefordert und die Ausarbeitung eines Zusatzprotokolls zur Konvention vorgeschlagen wurde – Forderungen, die ich auch bei allen möglichen Gelegenheiten in der DDR stellte.

Beispielsweise war ich gebeten worden, am 20. März 1986 auf einer gemeinsamen Sitzung der Klassen für Biologie und für Medi­zin der Akademie der Wissenschaften über die völker­recht­liche Kontrolle der Biowaffen zu sprechen. Anschließend sollte eine Erklärung an­ge­nom­men werden, in der die Akademiemitglieder dazu aufrufen, die Biowaf­fen-Konvention ein­zuhalten und die bevorstehende Überprüfungskonferenz zu nutzen, das Überein­kommen zu stärken. Im entsprechenden Entwurf hatte ich unter anderem for­mu­liert, dass die Bio­technologien seit dem Inkraft­treten der B-Waffen-Kon­vention neuartige Möglichkeiten zur Entwicklung und Optimierung von biologischen und Toxin-Waffen ge­schaffen haben. Deshalb „rufen wir die Teilnehmer der zweiten Überprüfungskonferenz [unter anderem] dazu auf […] sich darüber zu verständigen, dass in verein­bar­ten Erklärungen und Zusatzpro­to­kollen durch die wissenschaftliche Ent­wicklung not­wendig gewordene Ergän­zun­gen der B-Waffen-Konvention vor­genommen werden. Insbe­son­dere sollten [...] Vorkehrungen zur Verhinderung eines Miss­brauchs der Erlaubnis für friedliche Forschungen getroffen und Maß­nah­men zur Kontrolle der Einhaltung der Konvention beschlossen werden“.[86]

Vom Generalsekretär der Akademie wurde der Entwurf ans Außenminis­terium (MfAA) weitergeleitet. Dort wurde unter anderem die Forderung nach entspre­chen­den Kontroll­maßnahmen rund­weg abgelehnt, so dass nur eine kastrierte Erklärung vorgeschlagen, aber natürlich trotzdem dann angenommen wurde. In dieser wurden die Konferenzteilnehmer harmlos aufgerufen, „die Konferenz zu nutzen, um die Konvention in jeder Hinsicht zu stärken und insbesondere deutlich zu machen, dass sie in umfassender und zuverlässiger Weise ein Verbot der biologischen und Toxin-Waffen, darunter auch möglicher gefährlicher neuer Entwicklungen, gewährleisten“.[87] Immerhin: die Akademiemitglieder bezogen eindeutig Stellung – wenn auch beispielsweise Fritz Jung vor der Verabschiedung der Erklärung in der Diskussion mit Recht monierte: „Wieso sollen wir eine Entschließung verabschieden, die keine kon­kre­ten Vorschläge enthält“?

Schon am Vortag hatte ich die genehmigte Fassung an den Generalsekretär des Friedensrates weitergeleitet, der Karlheinz Lohs und mir zugesagt hatte, die Erklärung auch dem von Lohs geleiteten „Beirat zum umfassenden Verbot chemischer Waffen“ zur Zustimmung vorzulegen sowie eine breite Zustimmung weiterer Organisationen anzustreben. Am 1. September, am Vorabend der Konferenz, wurden die Medien darüber unterrichtet, dass der Friedensrat nachgerade eine Massen­bewegung für biologische Rüstungskontrolle zustande gebracht hatte:

„Der Erklärung haben folgende wissenschaftliche Gesellschaften und gesell­schaftliche Organisationen der DDR ihre uneingeschränkte Zustimmung gegeben:

- DDR-Komitee für wissenschaftliche Fragen der Sicherung des Friedens und der Abrüstung bei der AdW

- Liga für die Vereinten Nationen in der DDR

- Zentralvorstand der Gewerkschaft Wissenschaft im Namen von mehr als

170.000 Mitlieder[n]

- Zentralvorstand der Industriegewerkschaft Chemie, Glas und Keramik im Namen der über 500.000 Mitglieder

- Zentralvorstand der Gewerkschaft Gesundheitswesen in Namen der 600.000 Mitglieder

- Exekutivrat der Gesellschaft für Völkerrecht in der DDR

- Präsidium der Biologischen Gesellschaft der DDR in Namen seiner 2000 Mitglieder

- Vorstand der Chemischen Gesellschaft der DDR

- Forschungsstelle für chemische Toxikologie der AdW

- Friedenskommission des Deutschen Roten Kreuzes der DDR

- Komitee „Ärzte der DDR zur Verhütung eines Nuklearkrieges“

- Koordinierungsrat der medizinisch-wissenschaftlichen Gesellschaften in Namen seiner über 52.000 Mitglieder

- Nationales Pugwash-Komitee der DDR.“[88]

Vom Leiter der Abteilung UNO des MfAA wurde mir in diesem Zusammenhang bei anderer Gelegenheit am 17. Juli 1986 erklärt, Forderungen nach Zusatzprotokoll zur BWC seien abzulehnen, weil dies Zweifel an deren Stärke hervorrufen könne. Außerdem sei ein solches Protokoll ratifikationsbedürftig. Eine Neuauflage von Verhandlungen müsse auf alle Fälle verhindert werden, damit unsere Gegner – die immer wieder nach Verifikation rufen – keine Möglichkeit erhalten, sie zu verwässern. Ein leitender Mitarbeiter der Akademie, sehr wahrscheinlich Günter Jahn, der Leiter der Hauptabteilung Auswertung und Kontrolle, war in diesem Zusammenhang im Juni 1986 von einem Vertreter des MfAA informiert worden, “dass es zwischen Prof. Geißler und dem MfAA unterschiedliche Auffassungen gibt: MfAA ist aus praktisch-politischen Gründen der Meinung, dass konsequent eine Änderung der Konvention vermieden werden muss, da sonst auch der Gegner ‚Änderungen’, die uns nicht genehm sind, durchsetzen kann. Prof. Geißler ist der Auffassung, dass Änderungen zweck­mäßig seien.“[89]

Keine zwei Monate später sah das ganz, ganz anders aus.

 

SIPRI sollte nicht vor den Kopf gestoßen werden

Im Sommer 1986, als das Buch im Druck war, ergab es sich, dass ich gleich von zwei Seiten zur Zweiten Überprüfungskonferenz zur Biowaffenkonvention nach Genf delegiert werden sollte: SIPRI wollte, dass ich nicht nur mein Buch dort vorstelle, sowohl auf einer internationalen Pressekonferenz als auch in einem Briefing für die Diplomaten, sondern auch als Beobachter an der Tagung teilnehme, um hernach im nächsten Jahrbuch darüber zu berichten. Und unser Außenministerium suchte einen Experten für die DDR-Delegation.

Zumindest die Akademieleitung brachte das zunächst in Schwierigkeiten, denn dort war man zu der Auffassung gekommen, „dass gar kein anderer Kandidat als Prof. Geißler zur Ver­fü­gung steht“. Die Anforderung aus Stockholm sei nun „natürlich eine üble Sache, denn ent­weder Prof. Geißler vertritt SIPRI oder die DDR-Delegation bzw. gehört ihr als Mitglied an. Beides geht nicht“. […] Man wird nicht umhin können, um SIPRI nicht vor den Kopf zu stoßen, seinen Wünschen nachzukommen; Prof. G. kann somit dem MfAA nur für Konsul­tationen, nicht aber offiziell als Experte während der Konferenz zur Verfügung stehen“. [90]

Aber das Außenministerium schloss sich dieser Meinung nicht an und entschied eine Woche vor der Konferenz, dass ich – sofern auch SIPRI mit dieser Regelung einverstanden sei – doch als Experte an der Konferenz teilnehmen solle. Das gab mir die Möglichkeit, aktiv am Konferenz­verlauf teilzunehmen, in begrenztem Rahmen sogar gestaltend.[91] Als vom SIPRI entsandter Beobachter hätte ich dagegen nur als Zuhörer die Plenarsitzungen besuchen können. Auch den Beratungen durfte ich beiwohnen, die von den Vertretern der drei Staatengruppen – der westlichen, der nicht-pakt-gebundenen sowie der sozialistischen Länder – regelmäßig abgehalten wurden, um die Beratungsergebnisse auszuwerten beziehungsweise ihre jeweilige Verhandlungs­strategie zu besprechen.

Auf einem dieser Treffen der Sozialisten wurden alle Anwesenden mit der Information völlig überrascht, der sowjetische Botschafter Victor L. Issraelyan werde in der nächsten Plenar­sitzung ein Zusatzprotokoll zur Kon­vention vorschlagen. Mit diesem ganz offenbar mit ihren Partnern zuvor nicht abge­spro­chenen Entschluss hatten die Sowjets eine totale Kehrtwende vollzogen. Bis zu diesem Tag war die Forderung von Verifi­ka­tionsmaßnahmen im ganzen Ostblock verpönt. Die Argumente gegen „staatlich sanktionierte Spionage“, wie die Sowjets die von Westen geforderten Maßnahmen zur Überprüfung der Vertragstreue bezeich­neten, waren plötzlich vom Tisch.

Tatsächlich erklärte Victor Issraelyan am 15. September im Plenum, die Sowjetunion unterbreite „den formellen Vorschlag, ein Zusatz­pro­to­koll zur Biowaffen-Konven­tion auszu­arbeiten und anzunehmen, das Maßnahmen zur Stärkung des Systems zur Kontrolle der Einhaltung der Konvention enthalten sollte“.[92] Seine Delegation sei bereit, sich an den erforderlichen Vorbereitungsarbeiten zu beteiligen. Bis auf die kurz zuvor auf die Kehrtwende eingestimmten Vertreter der sozialistischen Staaten waren alle Konferenzteilnehmer total überrascht. Auf eine solche Situation waren sie ganz offensichtlich nicht vorbereitet und hatten natürlich keine entsprechenden Direktiven im Diplomatengepäck, wie auf eine derartige Initiative zu reagieren sei.

Anstatt nun die sowjetische Delegation beim Wort zu nehmen und dabei abzuklopfen, wie ernst dieser Vorschlag überhaupt gemeint sei (sehr ernst kann er, wie mir heute scheint, nicht gemeint gewesen sein, denn zu dieser Zeit lief das sowjetische Biowaffenprogramm gerade auf Hochtouren[93] - aber das wussten nicht einmal deren Kalte Kriegs-Gegner so genau, sodass sie darauf verzichteten, sich beim Sicherheitsrat über einen möglichen sowjetischen Vertragsbruch zu beschweren[94]), war von Verifikation auf westlicher Seite kaum noch die Rede, sondern vor allem von vertrauens­bil­denden Maßnahmen.

Das hatte dann noch ein bezeichnendes parlamentarisches Nachspiel in Bonn: In einer „Kleinen Anfrage“ wollten Angelika Beer und Alfred Mechtersheimer im Namen der „Grünen“ am 24. 2. 1987 von der Bundesregierung unter anderem wissen, warum sie „die zunächst von Pakistan, dann von der Sowjetunion und anderen Ländern gemachten Vorschläge nicht unterstützt [habe], unverzüglich die Arbeit an einem Zusatzprotokoll über verbesserte Verifikationsmechanismen aufzunehmen?“[95] Tatsächlich hatte ja der Botschafter der Bundesrepublik, Paul Joachim von Stülpnagel, zu Beginn der Überprüfungskonferenz erklärt, der Hauptmangel der Konvention sei „das Fehlen von Verifikationsmaßnahmen“.[96] Das Auswärtige Amt brauchte mehr als sechs Monate, um auf die zehn Fragen der „Grünen“ zu antworten. Erst am 6. 10. teilte der Minister mit, die Bundesregierung habe „gemeinsam mit den anderen westlichen Staaten in erster Linie das Ziel unmittelbar von der Konferenz zu beschließender Maßnahmen für eine größere Transparenz der Vertragstreue im Rahmen des Artikels V verfolgt“.

Bis heute ist mir schleierhaft, woher dieser plötzliche Umschwung der sowjetischen Diplomatie rührte. War es ein geniales Täuschungsmanöver, passend zur etwa zeitgleich laufenden, überaus wirksamen Desinformations­kam­pagne über die Herkunft des AIDS-Erregers?[97] Oder machte sich hier schon Gorbatschows „neues Denken“ bemerkbar, in diesem Fall in militärischer bezie­hungsweise abrüstungspolitischer Hinsicht?

Möglicherweise haben aber auch unsere im Buch vorgetragenen Argu­mente und Vorschläge zur Stärkung der Konvention bei der sowjetischen Umorientierung eine gewisse Rolle gespielt, zumal ich Issraelyan im Juni 1986 auf einer internationalen Konferenz über das Verbot chemischer Waffen in Mainz persönlich kennengelernt und ihm anschließend die Druckfahnen unseres Buches an seine Privatadresse nach Genf geschickt hatte.

Einige von unseren Vorschlägen wurden jedenfalls sogar ins Schlussdokument der Konferenz aufgenommen, beispielsweise die von uns – sowohl den Autoren des SIPRI-Buches als auch von der DDR-Delegation – angestrebten Präzi­sierungen des Geltungs­bereiches der Konvention.[98] Anderes wurde nicht be­rück­sichtigt, wie Schritte zur Vorbe­reitung eines Zusatzprotokolls und von Verifika­tions­­maß­nahmen. Berücksichtigt wurden aber alle Vorschläge zur Ausarbeitung ver­trauensbildender Maßnahmen, die quer durch alle Lager gefordert worden waren. Zu deren Präzisierung sollte im Frühjahr 1987 ein Expertentreffen stattfinden. Alles in allem waren das dann doch erste, wenn auch zaghafte Schritte im Hinblick auf eine Stärkung der Konvention und eine Verringerung der Gefahr, dass sich die neuen Entwicklungen in der Molekularbiologie militärisch brisant auswirken könnten.

 

Eine meiner schwerwiegendsten Entscheidungssituationen

Nach der Überprüfungskonferenz, im November 1986, wurde vom stell­ver­tre­tenden Außen­minister Peter Florin bei der Akademie angefragt, ob ich auch an dem geplanten Exper­ten­treffen zur Ausarbeitung der vertrauensbildenden Maßnahmen aktiv teilnehmen und mich im vorhinein an der Ausarbeitung eines ent­spre­chenden Positionspapiers beteiligen könnte. Ich stimmte dem natürlich gern zu und wurde daraufhin vom beauftragt, mit einer Gruppe von mir auszuwählender Experten einen Entwurf für ein entsprechendes Dokument zu erarbeiten.

Auf meinen Vorschlag hin beschränkte sich die zeitweilige Arbeitsgruppe – der Helmut Bochow, Berlin, Charles Coutelle, Berlin-Buch, Leopold Döhner, Greifswald, Sieghart Dittmann, Berlin, Friedrich Jung, Berlin-Buch, Werner Köhler, Jena, Horst-Ulrich Schnee­weiß, Berlin-Buch, und Helmut Schwedler, Berlin, angehörten – in ihrem Memorandum nicht nur auf die in Genf vereinbarten Punkte, sondern regte an, auf der Expertenkonferenz auch den Austausch von „Informationen über Entwicklung und Einsatz von Vakzinen“ auszu­tauschen.[99]

Am 1. März 1987 konnte ein erster Entwurf der Stellungnahme vorgelegt und erneut in der Expertenrunde – auf dem Schriftwege – zur Diskussion gestellt und dann auf einer gemeinsamen Beratung am 12. März verabschiedet werden. Gleich­zeitig wurde der Text seitens des MfAA ins Englische übersetzt, damit unsere Anregungen schon vor der Konferenz den Delegationen der „Bruderländer“ zur Kenntnis gegeben werden konnten – die Sowjets hatten im Vorfeld über unsere Genfer Vertretung explizit darum gebeten, „die Vorschläge Prof. Geißlers“ nach Moskau übermittelt zu bekommen.[100]

Außerdem wurde unsere Stellungnahme wurde vom Außenministerium an die Teilnehmer einer inter­ministeriellen Abstimmungsrunde gegeben. Zu dieser Runde gehörte das Ministerium für Nationale Verteidigung – das sich während der Ausarbeitung der Direktive in Stillschweigen gehüllt und nicht in Diskussionen mit uns eingelassen hatte. Das ließ dann unverzüglich, aber ohne Begründung mitteilen, dass man einem Informationsaustausch über Impfstoffent­wicklung und –einsatz nicht zustimmen könne. Daraufhin wurde diese Passage in unserem Entwurf gestrichen.

Für mich ergab sich damit eine der schwerwiegendsten Entscheidungs­situationen in meinem Leben: Einerseits war ich fest davon überzeugt, dass das Nichtverbot uneingeschränkter Impfstoffaktivitäten, vor allem vom Militär betriebene, die größte Schwachstelle bei der biologischen Rüstungskontrolle darstellt. Die von der Konvention ja im Rahmen des so genannten „B-Schutzes“ ausdrücklich erlaubten Arbeiten zur Entwicklung und Anwendung von Vakzinen vermitteln nicht nur offensives Know-how sondern schaffen auch offensive Kapazitäten – selbst dann, wenn sie nicht bewusst als Deckmantel für offensive Rüstungsanstrengungen genutzt werden. Darüber hinaus darf die Tatsache nicht übersehen werden, dass selbst so scheinbar unschuldige Maßnahmen wie die Entwicklung von Impfstoffen gegen potentielle biologische und Toxinkampfmittel tatsächlich offensiv motiviert sein können, denn Impfstoffe sind ja auch für die Anwender solcher Massenvernichtungs­waffen unentbehrlich.

Das Experten-Treffen wäre also eine gute Gelegenheit gewesen, diese gefährliche Schwachstelle des Übereinkommens auszubessern. Aber als offizielles Delegationsmitglied war ich natürlich an die Direktiven meiner Regierung gebunden. Sollte ich meinem Gewissen folgen und trotz des Verdikts der Armeeführung in Genf Berichte über Vakzine-Aktivitäten vorschlagen (die ohnehin nicht auf der Agenda standen)?

Zu meiner überaus großen Erleichterung nahmen mir die Delegationen Irlands und Öster­reichs diese Gewissensentscheidung ab: Als beraten wurde, welche Detail­infor­ma­tionen in den Berichten über Hochsicherheits­labor­atorien gegeben werden sollten, schlugen sie am 10. April vor, über „die Entwicklung von Impfstoffen, anderen prophylaktischen Substanzen und weiteren Mitteln zum Schutz gegen Mikroorga­nis­men oder Toxine [zu informieren] die im bakteriologischen (biologischen) Krieg eingesetzt werden können“. Sowohl die Amerikaner als auch die Sowjets waren dagegen – und ich sah mein Dilemma gelöst: Gegen die Groß­mächte anzustinken war es nicht wert, mir zu Hause Ärger einzuhandeln.

Vier Wochen nach der Expertenkonferenz fand im Außenministerium beim Leiter der Abteilung UNO Siegfried Zachmann eine Beratung darüber statt, wie die auf dem Expertentreffen vereinbarten Empfehlungen realisiert werden könnten. Als deren Ergebnis arbeitete Zachmann den Entwurf einer Vorlage für die Partei- und Staatsführung aus für einen „Beschluss über die Teilnahme der DDR am internationalen Informationsaustausch über Aktivitäten, die mit der Konvention über das Verbot bakteriologischer (biologischer) Waffen in Beziehung stehen“. Zur Begründung heißt es im Entwurf: „Die Beteiligung der DDR am Informationsaustausch wäre ein praktischer Beweis für das Interesse und die Bereitschaft der DDR, aktiv zur Stärkung der Konvention über das Verbot bakteriologischer (biologischer) Waffen beizutragen“.[101]

Die Vorlage wurde von Außenminister Oskar Fischer und von Gesundheitsminister Ludwig Mecklinger eingereicht und am 17. September von den Sekretariaten des ZK und des Ministerrats bestätigt. Der Beschluss legte fest, dass sich die DDR am Informations­aus­tausch beteiligt und dass die vereinbarten Informationen von einer Ständigen Arbeitsgruppe „Konvention über das Verbot biologischer Waffen“ zusammen­gestellt werden, die vom Gesundheitsminister geleitet wird. Seitens des Akademie-Präsidenten wurde ich als Vertreter der AdW in die Gruppe delegiert und nahm dann schon im November, vor der eigentlichen Konstituierung, an der Erarbeitung eines ersten Entwurfs für den DDR-Bericht teil, der noch im gleichen Monat vom Gesundheitsminister dem ZK-Sekretariat zur Bestätigung vorgelegt wurde.

Am 22. Januar 1988 lud Mecklinger dann zur ersten Sitzung der Gruppe ein, die von ihm auch geleitet wurde, und auf der der Entwurf der ersten Meldung vorgelegt und von den Teil­nehmern in den kommenden Tagen überprüft und gegebenenfalls ergänzt werden sollte. Auf Details bin ich dann in meinem zweiten, 1990 für SIPRI herausgegebenen Buch ausführlich eingegangen, in dem eine internationale vergleichende Analyse der in den ersten drei Runden des Informationsaustausches abgegebenen Berichte erfolgte.[102] Möglich wurde mir dies dadurch, dass ich von Arpad Prandler, dem Leiter der Abrüstungsabteilung der Ver­ein­ten Nationen – wohin die Berichte eingereicht wurden – und seinen Nachfolgern bis in die späten 1990er Jahre hinein explizit für dieses Vorhaben Kopien aller Berichte erhielt, obwohl diese eigentlich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren. Dadurch war es möglich, dass dann auch noch meine Mitarbeiterin Iris Hunger die Analyse bis ins Jahr 2001 fortführen und dies als Grundlage für ihre Doktor-Dissertation verwenden konnte.[103] (In der Zwischenzeit sind die Berichte einiger Staaten, beispielsweise der USA, übers Internet frei zugänglich.)

Der vollendete Bericht wurde schließlich im März 1988 durch den Außen­mi­nister an die UN-Abrüstungsabteilung nach New York übermittelt, der 1989er Bericht ein Jahr später. Er war auf der letzten Sitzung der Gruppe am 7. März 1989 verabschiedet worden. An einen Zu­sam­menbruch der DDR war zu dieser Zeit noch nicht zu denken. Es wurde von den Teil­nehmern nämlich festgelegt, „dass sich die Arbeitsgruppe aber auch als Gremium zur Er­arbeitung von DDR-Stand­punk­ten für inter­natio­nale Abstimmungen versteht, beispiels­weise im Vorfeld der 3. Über­prüfungs­konferenz Herbst 91; dies wird gut vorbereitete Beratungen 90/91 aus spe­ziellem Anlass erfordern. Der Sekretär der AG [Sieghart Dittmann] und Prof. Geißler werden beauftragt, entsprechende Vorbereitungen zu treffen“.

 

Ein Ein-Mann-Basiskollektiv für Friedensforschung

Mein zunehmendes Engagement im Bereich der biologischen Abrüstung ließ sich allerdings nicht mehr mit meinen bisherigen Arbeitsaufgaben als Leiter der Ab­teilung Virologie des Zentralinstituts für Molekularbiologie verbinden. Ich bemühte mich deshalb erfolgreich darum, die Leitung meiner Ab­teilung in jüngere Hände zu geben. Am 26. März 1987 wurde ich als Abteilungsleiter entpflichtet und kein knappes Jahr darauf von Manfred Ringpfeil, dem Leiter des Forschungs­bereiches Biowissenschaften und Medizin zum „Leiter der Basis­gruppe Friedensforschung berufen“. Dies erfolgte „auf der Grundlage und in Durchführung des Beschlusses des Sekretariats des ZK der SED vom 17. September 1987 über die ‚Auf­gaben zum Ausbau und zur Koordinierung der Friedensforschung in der DDR’ und der Fest­le­gungen im Maß­nahme­plan des Präsidenten der AdW der DDR vom 16. Oktober 1987 zur Durchsetzung des o.a. Beschlusses des Sekretariats des ZK der SED an der Akademie der Wissenschaften der DDR“.

Die Basisgruppe – die eigentlich nur aus mir bestand – sollte vor allem Studien ausarbeiten bzw. anregen, darunter auch eine zur Geschichte der B-Waffen. So schlug ich Prof. Werner Köhler vom Zentralinstitut für Mikrobiologie und experimentelle Therapie (ZIMET) in Jena vor, eine kleine zeitweilige Arbeitsgruppe zu bilden, die zur Vorbereitung der für 1991 geplanten 3. Überprüfungskonferenz zur Biowaffenkonvention eine „Studie über Sinn und Unsinn (Arbeitstitel!!) der Entwicklung und Anwendung von Vakzinen zum Schutz vor gegnerischen B-Waffen-Attacken ausarbeitet“. Darüber hinaus empfahl ich den Direktoren unseres Zentralinstituts sowie des ZIMET zu prüfen, ob sie nicht Arbeiten zum immuno­logischen Nachweis von Toxinen aufnehmen könnten. Die prinzipiellen Lösungswege seien bekannt, und ich könne entsprechende Literatur zur Verfügung stellen, aber es ständen kaum praktisch einsetzbare Verfahren zur Ver­fügung. Die würde man aber bald zum Nachweis von Toxin-Waffen brauchen, weil „speziell auf Initiative der UdSSR – zu erwarten ist, dass die Konvention über das Verbot der Entwicklung biologischer und Toxinwaffen um ein Zusatzprotokoll erweitert wird, das Verifikationsvorschriften beinhalten dürfte.

Da hatte ich mich allerdings gründlich getäuscht: Zwar wurde schließ­lich 1995 von den Partnerstaaten der Konvention vereinbart, dass von einer Arbeitsgruppe bis spätestens 2001 ein rechtsverbindliches Zusatzprotokoll entworfen werden sollte. Dieses in 24 mehrwöchigen Verhandlungsrunden ausgearbeitete Doku­­ment wurde noch vor der 5. Überprüfungs­kon­ferenz im Jahre 2001 von den USA abgelehnt. Seitdem gibt es keine seriösen Ansätze mehr zur Vereinbarung ent­sprechender Kontrollmaßnahmen – die Konvention ist und bleibt ein zahnloser Tiger.

 

Ein DDR-Pledge

Außerdem bemühte ich erneut darum, dass sich auch DDR-Wissenschaftler an der Unterschriftenaktion gegen den militärischen Missbrauch der Biowissenschaften beteiligen, die Mitte der 1980er Jahre der US-ameri­ka­nische „Council of Responsible Genetics“ weltweit gestartet hatte. Ich fand, da dürften wir nicht beiseite stehen und schlug dem Akademie-Generalsekretär im November 1984 vor, uns an der internationalen Aktion zu beteiligen. Die – vermutlich vom Außen­ministerium vorgegebene – Antwort war negativ: Die DDR sei Partner­staat der Biowaffenkonvention und deshalb sei es nicht notwendig, dass unsere Wissenschaftler noch darüber hinaus eine entsprechende Erklärung abgeben.

Nach der Gründung des Basiskollektivs Friedensforschung nahm ich einen neuen Anlauf. Zu diesem Zeitpunkt hatten bereits fast 600 – vorwiegend US-ameri­kanische – Wissenschaftler den Aufruf unterschrieben. Und Anfang Ok­tober 1988 erfuhr ich, dass sich inzwischen auch sowjetische Wissenschaftler bereit erklärt hätten, sich daran zu beteiligen. Deshalb wurde in den Arbeitsplan des Basis­kollektivs auch eine „Prüfung der Voraussetzungen zur Durch­führung einer Unter­schriften­aktion zur Verhinderung des militärischen Missbrauchs der Biowissen­schaften“ aufgenommen.

Am 10. Januar 1989 schrieb ich an den Vorsitzenden des DDR-Komitees für wissen­schaft­liche Fragen der Sicherung des Friedens und der Abrüstung Hermann Klare und fragte an, ob nicht das Komitee – dem ich seit seiner Gründung angehörte – Träger einer derartigen Aktion sein könne. Die Unterschrif­ten­aktion könne auf der Grundlage eines Textes erfolgen, den ich in enger Anlehnung an das amerikanische Gelöbnis formuliert hatte, und den ich dem Schreiben an Klare beilegte. Darin hieß es, dass sich die unterzeichnenden Biowissen­schaftler und Mediziner gegen jegliche Anwendung ihrer For­schungs­arbeiten für aggressive militärische Zwecke wenden und sich ver­pflich­ten, sich „in Forschung und Lehre nicht wis­sentlich an Aktivitäten zu beteiligen, die auf die Entwicklung biologischer und chemischer Waffen gerichtet sind, und uns bekannt gewordene Ver­suche zum militärischen Missbrauch biowissen­schaftlicher Forschungs­er­gebnisse öffentlich anzuprangern“.[104]

Diesmal hatten meine Bemühungen Erfolg, wenngleich nach offenbar lang­wierigen Konsultationen in der Akademieleitung. Erst ein halbes Jahr später schrieb Akademie-Generalsekretär Grote offiziell an den Stellvertreter des Außenministers Bernhard Neugebauer, ich hätte eine entspre­chen­de Unterschriftenaktion vorge­schlagen, was vom DDR-Komitee zustimmend zur Kenntnis genommen worden sei und was hoffentlich auch das Interesse des Ministeriums fände. Grote legte seinem Schreiben den von mir einge­reichten Maßnahmeplan bei. Der sah vor, die Aktion im September 1989 mit einer repräsen­tativen Veranstaltung des DDR-Komitees in Berlin zu eröffnen, dann entsprechende größere Veran­stal­tungen in Greifswald, Halle und Jena durchzu­führen, Kolloquien an weiteren Wissen­schaftsstandorten und Abschluss und Auswertung der Aktion auf dem XII. Kühlungs­borner Kolloquium. Wie Grote dem Minister weiter vorschlug sollten die Ergebnisse dann nicht nur in Kühlungs­born vorgestellt, sondern auch im Rahmen des vertrauensbildenden Berichts­austausches weltweit verbreitet und darüber hinaus Bestandteil der von der DDR zur 3. Über­prüfungskonferenz eingereichten Materialien werden – was fast wörtlich mit den Vorschlägen übereinstimmte, die ich zuvor Klare gemacht hatte.

Die Wende machte diese Pläne zunichte. Die Pledge-Aktion fand in der untergehenden und gewendeten DDR nicht mehr statt; ich konnte zwar auch an der 3. Überprüfungskonferenz teilnehmen, aber nur als Beobachter und nicht mehr als Experte. Der Generalsekretär der Tagung räumte mir zwar das Recht ein, in den Reihen der deutschen Delegation als stiller Beobachter Platz zu nehmen, aber das wurde mir – einer entsprechenden Weisung Außenamtschefs Genscher folgend – vom Botschafter verweigert.[105] Aber mir wurde die Ehre zuteil, dass ich gemeinsam mit Barbara Rosenberg, der Biowaffen-Beauf­tragten der Föderation Amerikanischer Wissenschafter, dem Präsidenten der 3.Über­prü­fungs­konferenz die Unterschriften von mehr als 1500 Wissenschaftlern aus 29 Nationen, darunter von 17 Nobelpreisträgern zu übergeben, die sich verpflichtet hatten, sich nicht wissentlich an der Ent­wick­lung von Biowaffen zu beteiligen.

 

Gentechnik-Richtlinie vervollständigt

Entsprechende Selbstverpflichtungen und ethische Codes sind natürlich eine Möglichkeit, den Missbrauch von Wissenschaft und Technik einzuschränken. Ihre Wirksamkeit lässt sich aber bezweifeln.[106] Eine anderer Weg, Missbrauchsmöglichkeiten zu ver­hindern oder zumindest zu minimieren sind gesetzliche Regeln und ähnliche Verein­barungen, also beispielsweise die Sicherheitsrichtlinien zu gentechnischen Arbeiten. Tatsächlich war ja schon bei den ersten Diskussionen über die möglichen Gefahren der Gentechnik und deren Verhinderung versucht worden, auch den militärischen Missbrauch der Gentechnik entsprechend zu regulieren, was aber merkwürdigerweise aus bis heute nicht bekannt gewordenen Gründen scheiterte.[107] Auch bei der Ausarbeitung und Verabschiedung der entsprechenden DDR-Richtlinien spielte das noch keine Rolle[108].

Als aber 1988 damit begonnen wurde, unsere – aus verfahrenstechnischen Gründen erst 1986 offiziell erlassene, zuvor jedoch bereits befolgte – „Richt­linie zur in-vitro-Rekom­bi­nation von gene­tischem Material“ zu überarbeiten, habe ich mich in unserer Gentechnik­kommission dafür eingesetzt, dass dies in der Neuauflage entsprechend berücksichtigt wird. Um meinem Vorschlag mehr Nachdruck zu verleihen erlaubte ich mir sogar, mich damit schriftlich direkt an Gesundheitsminister Ludwig Meck­linger zu wenden. Dem schlug ich die Aufnahme des folgenden Passus vor: „Arbeiten zur Rekombination von genetischem Material, die der Er­for­schung, Entwicklung und/oder Produktion bakteriolo­gischer (biologischer) und Toxin-Waffen dienen und die nicht durch Vorbeugungs-, Schutz- oder sonstige friedliche Zwecke gerechtfertigt sind, sind grund­sätzlich ver­boten“.[109] Mein Institutsdirektor tadelte mich für diese Umgehung des Dienstweges: Nur über ihn und über den Direktor des Forschungszentrums für Molekularbiologie und Medizin und schließlich über den Generalsekretär der Akademie hätte ich den Minister kontaktieren dürfen. Der Minister aber reagierte freundlich und prompt und antwortete mir postwendend, er werde ver­an­lassen, dass überprüft wird, inwieweit mein konkreter Vorschlag übernommen werden kann.[110]

Die Mitglieder der Kommission schlossen sich vorbehaltlos meinem Vor­schlag an. Bis Juli 1989 war dann eine neue „An­ordnung über Sicherheit bei der Herstellung und Nutzung in-vitro-rekom­binierter Nuklein­säuren“ ausgearbeitet und von den ein­schlägig betroffenen Mini­sterien und anderen staatlichen Organen ge­billigt worden, bemerkenswerterweise auch von der Armeeführung.  

Der überarbeitete Entwurf der Anordnung[111] unterschied sich von der bisherigen Richt­linie unter anderem dadurch, dass sie – im Unterschied zum Gen­technikgesetz der Bundes­republik – schon im Grundsatzartikel bestimmte: „Ar­beiten zur in-vitro-Rekom­bi­na­tion von gene­tischem Material, die der Erforschung, Ent­wicklung und/oder Pro­duk­tion biologischer Waffen und Toxin­waffen dienen, sind verboten“. Zusätzlich dazu wurde festgelegt, dass „Experimente, die zu einer Virulenzerhöhung oder zu diagnostisch relevanten Phänotypveränderungen bei human- oder veterinärmedizinisch bedeutsamen Krankheitserregern führen“, nicht durchgeführt werden dürfen. Arbeiten, die der Schärfung von Biowaffen dienen könnten, waren damit also verboten.

Dass selbst die Nationale Volksarmee damit einverstanden war erscheint, im Nachhinein, als doch nicht zu überraschend: Entwicklung und Produktion biologi­scher und Toxinkampfstoffe fanden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in der DDR und wohl auch in den anderen „Bruderländern“ nicht statt, das wollten sich die Sowjets nicht aus der Hand nehmen lassen, schon aus den Gründen absoluter Geheimhaltung der völkerrechtswidrigen Aktivitäten. Anders war es damals bei der Ablehnung meines Vorstoßes zur Offenlegung militärischer Impfstoff-Aktivitäten: die betrafen ja nicht nur die Sowjetarmee sondern alle Armeen der Warschauer Vertragsstaaten.

Allerdings trat unsere neue Anordnung im Er­gebnis der Wende nicht mehr in Kraft und wurde durch das westdeutsche Gen­tech­nikgesetz ersetzt.

 

Ein viel versprechendes internationales Impfstoffprojekt erweist sich als Totgeburt

Im Frühjahr 1988 wurde ich eingeladen, im kommenden Januar an den Jahrestagungen der American Association for the Advancement of Sciences (AAAS) sowie der American Society for Biochemistry and Molecular Biology (ASBMB) in San Francisco teilzunehmen, die beide jeweils auch Symposien zum Thema Biowaffen veranstalten wollten. Gleichzeitig regten meine amerikanischen Abrüstungskollegen an, ich könne dann anschließend noch Vorträge an der Ostküste halten, in Washington, New York und Cambridge.

Von Seiten der Akademie und der anderen zuständigen Behörden gab es keine mir bekannt gewordenen Schwierigkeiten bei der Genehmigung der Reise. Schwierigkeiten gab es allerdings bei der Erteilung des amerikanischen Einreisevisums, das ich erst am Vorabend meines Abfluges, Freitagnachmittag, fünf Minuten vor Dienstschluss der Ostberliner US-Botschaft bekam.[112] Ich glaube nicht, dass die so übermäßige Verzögerung der Visum­erteilung auf Schlamperei zurückzuführen war. Vielmehr vermute ich, dass ich den Amis einfach verdächtig war: Ex-Genosse (wie sie spätestens aus dem Visumantrag zu meiner ersten, 1970 durchgeführten, USA-Reise wussten), als solcher trotzdem Professor in der DDR geworden, Reisekader, und von den DDR-Behörden sogar viermal in die USA gelassen: Natürlich war ich denen suspekt!

Jedenfalls konnte ich das Forum der AAAS zu den Biowaffen in San Francisco noch recht­zeitig erreichen und mich dabei coram publico unter anderem auch mit David Huxsoll, dem Kom­man­deur des amerikanischen Biowaffen-(Schutz-)Instituts USAMRIID, Fort Detrick, ausein­ander­setzen. Das, und meine Herkunft aus der DDR, verschafften mir dann auch auf einer gut be­suchten Presse­konferenz einige Beachtung. Anschließend führten zwei Journalisten der Deutschen Presse-Agentur ein längeres Interview mit mir. Sie meldeten dann unter anderem:

„In einem Seminar über biologische und Toxin-Waffen plädierte er dafür, die vertrauensbildenden Maßnahmen zu verstärken, um einen Rüstungswettlauf auf dem Gebiet dieser Waffen zu verhindern. Die biologische Forschung müsse transparenter, der Austausch von Wissenschaftlern verstärkt werden.

Geisslers Anwesenheit in San Francisco war ein gelungenes Beispiel für diese geforderte Offenheit: er war der erste DDR-Wissenschaftler, der als Referent an einer Tagung der renommierten amerikanischen Wissen­schaftsorganisa­tion AAAS teilnahm. Der Genetiker und ehemalige Krebs­forscher hat sich heute der Abrüstung im Bereich der biologischen Waffen verschrie­ben und ist Leiter des ‚Basiskollektivs Friedensforschung’ am Institut für Molekularbiologie der Akademie der Wissenschaften in Ost-Berlin. In seinem Vortrag warnte Geissler vor den potentiellen Gefahren, die drohen, wenn sich das Militär die Fortschritte der Gentechnik zu nutzen mache. [...]So sollten Forscher und wissen­schaftliche Organisationen jede Mitarbeit an der Entwicklung von biologischen oder toxischen Angriffs­waffen ablehnen.“[113]

Bessere Propagandisten meiner Ansichten hätte ich mir gar nicht vorstellen können.

In den zahlreichen öffentlichen und privaten Diskussionen, die ich während dieser Reise mit Biowissenschaftlern, Diplomaten und Militärs führen konnte, entwickelte sich eine Idee, wie man vielleicht das mich schon seit Jahren beschäftigende Problem militärischer Vakzine­entwicklungen und –anwendungen in den Griff bekommen könnte. In einem Hearing im Repräsentantenhaus artikulierte ich meine Besorgnis,

„that vaccine development and/or vaccination programmes are not only motivated by defensive considerations but designed to acquire a biological first-strike capability. It is therefore recommended that the States Parties [to the Biological and Toxin Weapons Convention] provide information on their programmes for the development and use of vaccines”.[114]

Ausführlicher ging ich darauf in New York ein, wo ich vom NGO-Komitee für Abrüstung an­lässlich dessen Jahrestagung zu einem Vortrag im Hauptgebäude der Vereinten Nationen eingeladen worden war:

„A major part of the Biological Defense Research Program in the US, for instance, is designed to develop vaccines. At the two meetings which took place during the last two weeks in San Francisco, both the Commander of the US Army Medical Research Institute of Infectious Diseases, Colonel Huxoll, as well as the General in charge, General Russel, explained that the major effort is to develop vaccines to protect the troops, not only against biological weapons attacks, but also against natural agents prevalent in countries where troops are serving, which might include countries where UN forces are utilized. The development of vaccines would also benefit Third World countries, because many of these agents occur endemically in these countries.

Therefore in my mind, as a scientist, it would make sense if all these activities might be joined under WHO, similar, perhaps, to the joint activities in all countries ten or twenty years ago in the joint effort to eliminate the smallpox virus. This would be a major step in confidence-building. We would no longer have suspi­cions about the aims behind military programs intended to develop vaccines.”[115]

Diese dann auch als Transcript vom NGO Commitee on Disarmament veröffentlichten Überlegungen erreichten zahlreiche Handlungs- und Entscheidungsträger, unter ihnen den für Abrüstungsfragen zuständigen stellvertretenden UNO-General­sekretär Yasushi Akashi und den Leiter der Abrüstungsabteilung der Vereinten Nationen Arpad Prandler. Bei einem weiteren Vortrag in der Harvard Medical School in Boston formulierte ich dann erstmals den Gedan­ken der internationalen, trans­parenten Gemeinschaftsentwicklung militärisch relevanter Vakzinen.[116] Diese Idee entwickelte ich dann 1991 auf der 3. Überprüfungs­konferenz vor den Delega­tionen der Nichtpakt­ge­bun­denen Staaten weiter, bis sie schließlich in meinem, von der Volks­wagen-Stiftung geförderten Projekt „Vaccines for Peace“ kulminierte. Dazu weiter unten mehr.

Übrigens fragte Akashis Sekretariat nach meinen Vortrag bei unserer New Yorker Botschaft an, ob die DDR einverstanden sei, dass ich in einer internationalen Arbeitsgruppe mitar­beite, in der die Auswirkungen der wissen­schaftlich-technischen Entwicklungen auf die globale Sicherheit analysiert werden sollen. Nachdem die Vollversammlung der UN im Sommer 1989 den Generalsekre­tär beauftragt hatte, eine entsprechende Studie vorzulegen, bat mich dessen Stellvertreter am 5. Sep­tember 1989 schriftlich, bis Ende Januar 1990 eine Einschätzung der möglichen sicherheitsrelevanten Auswirkungen der Entwicklungen auf dem Gebiet der Biotechnologie auszuarbeiten.

Da es sich um einen UNO-Auftrag handelte, überstand er sogar die Wende. Am 8. Februar 1990 schickte ich Akashi eine Ausarbeitung über „Biotechnology and its impact on international security“ nach New York. Daraufhin lud mich Akashi ein, Mitte April an einer viertägigen Konferenz in Sendai teilzunehmen, auf der die einzelnen Expertisen diskutiert wurden.[117] Anschließend wurden die Materialien zu einem Bericht des Generalsekretärs zusammengefasst, der im Oktober 1990 der 45. Sitzung der Generalversammlung der UN vor­ge­legt wurde.[118] Ich vertrat in Sendai die inzwischen gewendete, aber noch existierende DDR nicht erfolglos und nutzte auch dieses Forum, um meine Sorgen bezüglich der militärischen Impfstoffarbeiten zu artikulieren:

Newly developed vaccines might be too expensive to be widely deployed. How to make them accessible to developing countries? Vaccines against diseases more or less endemic in the Third World are developed in some countries by the mili­ta­ry while the pharmaceutical industry is said to be not interested in such activi­ties because of missing profit. Vaccine development under military control is a con­ti­nous cause of concern because vaccines, especially those able to provide immu­nity against agents not endemic in the country where the vaccines are under devel­opment, could be used not only to protect people in developing coun­tries but might be useful also for intended offensive biological warfare purposes.[119]

 

1990er Kühlungsborner Ost-West-Dialog noch mit Genehmigung vom ZK

Während meiner 1989er USA-Reise hatte ich auch Gelegenheit, Gespräche mit mehreren Experten zu führen, die wir zu unserem nächsten Kühlungsborner Kolloquium einladen wollten oder die uns zumindest bei dessen konzeptioneller Vorbereitung unterstützen könnten. Da diese Tagung ein Jahr vor der für 1991 geplanten Über­prüfungs­konferenz zur Biowaffen­kon­vention stattfinden sollte, hatte ich den für unsere Verhältnisse doch etwas verwegenen Plan, diesmal Experten aus Ost und West an einen Tisch zu bitten, um möglichst frei von regierungsamt­lichen Direktiven über „Biological Weapons and the Responsibility of Scientists“ zu diskutieren.

In einer ersten Konzeption, die ich am 30. Oktober 1988 unter anderem der Akademie-Leitung, dem ZK und dem MfAA zuleitete, schlug ich vor, das Kolloquium solle „als offene internationale Tagung durchgeführt werden. Gezielt sollen Experten (Biowissenschaftler, Ethiker, Juristen, Militärs, Politiker) aus den Staaten des Warschauer Vertrages, der NATO sowie nicht­paktgebundener Staaten als Referenten eingeladen werden, die nach Möglichkeit zu gemeinsam getragenen Empfehlungen für die bevorstehende Überprüfungs­kon­ferenz kommen sollen. Gleichzeitig solle die Tagung dazu dienen, ein differenziertes Bild der tatsächlichen und angeblichen Gefahren der Bio­technologien und ihrer Missbrauchs­mög­lichkeiten zu zeichnen“.

Einige Teilnehmer sollten gezielt eingeladen werden. Weitere Interessenten sollten durch entsprechende Angaben in dem Bericht der DDR informiert werden, der im Rahmen des Informationsaustausches zur B-Waffen-Konvention allen Partner­staaten übermittelt wird – was dann tatsächlich geschah. Als Termin wurde der Herbst 1990 vorge­schlagen, als Tagungsort das Ernst-Grube-Heim im Ostseebad Kühlungsborn.

Zunächst gab es – wie ich unter der Hand erfuhr – wohl einigen Unmut in der Akademie-Leitung, weil ich in meiner Konzeption explizit auch die Einladung von Experten aus NATO-Staaten vorgeschlagen hatte. Trotzdem erhob die Akademie keinen Einspruch gegen dieses Vorhaben – sie hätten das Ganze ja dadurch verhindern oder zumindest seine Durchführung sehr erschweren können, wenn sie einfach den Geldhahn zugedreht hätten.

Also: Von keiner Seite gab es dezidierte Einwände, und am 22. Mai 1989 fasste das Sekretariat des ZK der SED einen Beschluss über die Durchführung des Kolloquiums,[120] der eine Woche später vom Präsidium des Ministerrates bestätigt wurde. Anschließend wurden vom Außen­ministerium alle Partnerstaaten der Konvention über die geplante Tagung im Rahmen des Austausches vertrauensbildender Informationen unterrichtet. Das hatte zur Folge, dass mehrere Außenministerien beziehungsweise diplomatische Vertretungen nach Möglichkeiten zur Teilnahme nachfragten und einige von ihnen Experten nach Kühlungsborn delegierten. Darüber hinaus wurde in dem von der Abrüstungsabteilung der Vereinten Nationen herausgegebenen DISARMAMENT Newsletter auf die Tagung aufmerk­sam gemacht.

Aber dann kam die Wende mit all den anderen kleinen und großen Veränderungen ein­schließ­lich der völlig neuen Finanzsituation. Die Tagungsvorbereitungen standen kurz vor dem Scheitern, wenn nicht in letzter Minute die Volkswagen-Stiftung eingesprungen wäre. Die stellte – nach einigem Hin und Her[121] – 50.000 DM zur Verfügung. Das Kolloquium wurde gerettet, und wurde ein voller Erfolg. Meines Wissens war es die letzte wissen­schaftliche beziehungs­weise wissenschaftspolitische Konferenz die in der DDR stattfand, und zwar, dank des großzügigen Sponsors, völlig problemlos. Drei Wochen später verschwand die DDR von der politischen Landkarte.

61 Teilnehmer waren aus 13 Staaten nach Kühlungsborn gekommen, darunter je acht aus der Bundesrepublik und aus den USA, weitere aus Australien, der DDR, Großbritannien, Indien, Kanada, Japan, Schweden und der Tschechoslowakischen Föderativen Republik. Aus der Sowjetunion kam allerdings nur einer.

Im Hinblick auf die bevorstehende Überprüfungskonferenz erwies sich als besonders fruchtbar, dass unseren Intentionen entsprechend tatsächlich ein direkter Meinungsaus­tausch zu den besonders gravierenden Problemen zwischen Vertretern der Großmächte stattfand. Beispielsweise wurde das Thema der – bis heute um­strittenen, immer noch nicht verbindlich vereinbarten – Mechanismen zur Kontrolle der Einhaltung der Biowaffen­kon­vention in Vor­trägen behandelt, die je ein Vertreter der US Arms Control and Disarmament Agency und der Abteilung für Rüstungs­kon­trolle und Abrüstung des sowjetischen Außen­ministeriums, sowie zwei Experten hielten, die Berater der Regierungen Kanadas beziehungsweise der DDR waren.

Das bei der Planung angepeilte Ziel, Anregungen für die bevorstehende Über­prüfungs­konferenz zu geben, konnte auch dadurch erreicht werden, dass entsprechende Vorschläge, die von einer Arbeitsgruppe der Föderation Ameri­ka­nischer Wissenschaftler kompiliert worden waren, unter den Teilnehmern verteilt und dann intensiv diskutiert und weiter ent­wickelt werden konnten. Eine nicht zuletzt auf den Kühlungsborner Diskussionen beruhende überarbeitete Version dieser Vor­schläge konnte dann – zusammen mit den in der Konferenz zusätzlich gemachten Vorschlägen – ganz aktuell im Tagungsband abgedruckt werden.

Eine Grußbotschaft des Stellvertreters des Generalsekretärs der Vereinten Nationen Yashushi Akashi gab der Tagung besonderes Gewicht. Der stellte „mit Genugtuung fest, dass die Themen der Plenarveranstaltungen Ihres Kolloquiums direkten Bezug zu den gegenwärtigen Sorgen der internationalen Gemeinschaft haben, einschließlich von Fragen der Verifikation der Vertragstreue, vertrauensbildender Maßnahmen, rechtlicher und ethischer Probleme und der Rolle und der Verantwortung der Wissenschaftler bei der Förderung der Biotechnologie für friedliche Zwecke“. [122]

Da nicht die gesamte, uns von der Volkswagenstiftung zur Verfügung gestellte Summe für das Kolloquium selbst ausgeben werden konnte, wurden die restlichen Mittel mit Geneh­migung der Stiftung als Druckkostenzuschuss für den Tagungsband verwendet. Da auch der Akademie-Verlag an einer raschen Produktion des Buches interessiert war, konnte zur überaus großen Überraschung aller Beteiligten das Buch bereits Mitte Februar 1991 ausge­liefert werden – fünf Monate nach dem Kolloquium und damit rechtzeitig vor der nächsten Überprüfungs­konferenz! Auch das ursprünglich von unserem Außenministerium geplante Vorhaben konnte noch realisiert werden: Mit den Mitteln der Volkswagen-Stiftung war es möglich, den Außenämtern aller Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen je ein Exemplar zu übersenden.

 

Teil III

Vakzineaktivitäten auch nach Ende der Blockkonfrontation nicht transparent

In Weiterführung meiner Überlegungen bezüglich der missbräuchlichen Entwicklung und Anwendung von Vakzinen hatte ich im September 1990 auf dem XII. Kühlungsborner Kolloquium angeregt, alle Arbeiten zur Entwicklung, Herstellung und Anwendung von Impfstoffen gegen potentielle BW- und TW-Agenzien zu internationalisieren.[123] Da wir die Aktivitäten des Basiskollektivs Friedensforschung nach dem Beitritt der DDR zur Bundes­republik am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC), der Nachfolgeeinrichtung der Akademieinstitute in Berlin-Buch, mit kräftiger Unterstützung durch die Volkswagen-Stiftung inhaltlich unverändert, ja beträchtlich erweitert fortführen konnten, konzentrierten sich meine Mitarbeiter und ich unter anderem auf eine Umsetzung dieser Idee in eine praktisch rea­li­sierbare Form. So entstand das Projekt „Vaccines for Peace“:[124] Impfstoffe gegen poten­tielle BTW-Agenzien, „dual-threat agents“ (DTAs), sollten künftig nur noch in völliger Trans­parenz entwickelt und angewendet werden. Dazu sollten in einigen weltweit verstreuten Forschungs- und Produktionsanlagen Mitarbeiter aus den Partnerstaaten der Biowaffenkonvention gemeinsam arbeiten (womit endlich auch die Auflage von Artikel X der Konvention zur Förderung internationaler Gemeinschaftsarbeit auf dem DTA-Gebiet realisiert würde), und die auf diese Weise entwickelten Impfstoffe sollten weltweit zum Einsatz gegen natürliche oder durch kriegerische Akte beziehungsweise bioterroristische Aktionen zum Selbstkostenpreis zur Verfügung gestellt werden.

Ein erster Entwurf des Vorschlags wurde auf der 3. Überprüfungskonferenz zur Biowaffenkonvention vor allem von den Delegierten der Blockfreien Staaten begrüßt[125], sodass die Idee dann sogar ins Schluss­dokument der Tagung aufgenommen wurde:

„The conference welcomes efforts to elaborate an international programme of vaccine development fort he prevention of diseases which would involve scientific and technical personel from developing countries which are States Parties to the Convention. The Conference recognizes that such a programme might not only enhance peaceful international cooperation in biotechnology but will also contribute to improving health care in developing countries and provide transparency in accordance with the Convention.”[126]

Auch aus der Sowjetunion beziehungsweise der Russischen Föderation wurde uns großes Interesse signalisiert.

Aber als sich meine Mitarbeiter Ernst Buder und Iris Hunger und ich anschließend intensiv darum bemühten, im In- und Ausland für die praktische Umsetzung des Projektes zu werben, stießen wir zunehmend auf Widerstand.[127] Spätestens als der Vorschlag 1992 auf dem XIII. Kühlungsborner Kolloquium von einem internationalen Expertenkreis intensiv erörtert wurde,[128] zeigte sich, dass er für die NATO-Staaten nicht akzeptabel war, vor allem mit dem – für das Gebiet der biologischen Kriegsführung und des Bioterrorismus eigentlich schwachsinnigen – Argument, dadurch würde das nationale Recht auf Selbstverteidigung eingeschränkt.[129] Dass DTAs keine Ländergrenzen respektieren wurde und wird von den Kritikern des Projektes ignoriert.

In der Bundesrepublik, wo ich das Projekt bei unterschiedlichsten Gremien vorstellen konnte – ange­sichts der nach den in den USA versandten Milzbrand-Briefbomben jahrlang grassierenden Furcht vor Bioterrorismus am 6. Oktober 2001 sogar im Bundeskanzleramt - , gab es wohl vor allem deshalb nicht einmal ansatzweise Bemühungen, die Qualität des Projektes wenigstens einmal abzuschätzen, weil gleich drei Resorts dafür zuständig gewesen wären, Auswärtiges Amt, Gesundheits- und Verteidigungsministerium.

Das Deutsch-Amerikanische Akademische Konzil zeigte eingangs durchaus Interesse und finanzierte 1994 sogar ein der Evaluierung von Vaccines for Peace dienendes Kühlungs­borner Kolloquium,[130] verweigerte dann aber doch auf Druck von amerikanischer Seite mit fadenscheiniger Begründung seine Unter­stützung.

So kam es, dass das Projekt auf drei Kühlungsborner Kolloquien, die nach der Wende auf der Insel Vilm durchgeführt wurden, buchstäblich entwaffnet und in ein unverbindliches Vor­haben zur Bekämpfung von emerging diseases umgewandelt wurde.[131] Das garantierte dann weiter die Intransparenz entsprechender militärischer Vorhaben und war also also nicht mehr im Sinne des Erfinders. Enttäuscht habe ich das Vorhaben aufgegeben und mich stattdessen auf die Geschichte der BTW konzentriert.

 

Wird die biologische Bedrohung überschätzt?

Über die Geschichte der biologischen und Toxin-Waffen war auch in der jüngsten Ver­gan­genheit immer mal wieder berichtet worden, am ausführlichsten, und vergleichend, in der bereits erwähnten sechsbändigen SIPRI-Studie.[132] Auch auf dem XII. Kühlungsborner Kollo­quium gab es einige Vorträge dazu. Die litten aber darunter, dass die Mehrzahl wichtiger BTW-Dokumente noch geheim – beziehungsweise für DDR-Wissenschaftler kaum zu­gänglich – war.[133]

Mit der Wende und dem Beitritt der DDR zur BRD änderte sich das dramatisch. Plötzlich waren uns nicht nur vormals unzugängliche ostdeutsche Quellen verfügbar, sondern zumindest zum Teil auch westliche Archive, in denen unter anderem die fast vollständig erhaltenen deutschen Doku­mente aus der Zeit von 1914 bis 1945 archiviert sind. Dadurch war es möglich, gemein­sam mit einem amerikanischen Historiker eine große vergleichende internationale Studie über die Geschichte der BTW bis 1945 durchzuführen, deren Ergebnisse zunächst auf dem XV. Küh­lungs­borner Kolloquium diskutiert und dann in einem SIPRI-Buch veröffentlicht wurden. [134] In der Zwischenzeit ist diese Untersuchung durch ein Werk über die BTW-Geschichte nach 1945 ergänzt worden[135].

Auf Details kann in diesem Zusammenhang natürlich nicht eingegangen werden. Aber unsere wichtigste Erkenntnis sollte doch Erwähnung finden: Nachdem Deutsche, konkret der deut­sche militärische Geheimdienst 1915-1917 erstmals in der neuesten Zeit Milzbrand- und Rotzerreger für Biosabotage­ak­tionen ein­ge­setzt hatte, „brachte eine verhängnisvolle Mischung von strategischen Fehlein­schätzungen, Falschinformationen, fehlenden korrekten Erkenntnissen, unbegründeten Befürchtungen und Verdächtigungen sowie von Falsch­aus­sagen aller Art eine biologische Rüstungsspirale immer mehr in Fahrt“. [136] Tragischerweise wurde ein Kampf gegen Windmühlenflügel geführt, vorläufig endend in einem allseits blutigen Krieg gegen den Irak, der wegen angeblicher Biowaffen begonnen wurde, die sich letztlich als „Massenverschwin­dungs­waffen“ erwiesen. [137]

Ein „richtiger“ biologischer Krieg ist im zwanzigsten Jahrhundert nur einmal geführt worden, 1939-1942 durch Japan gegen China[138]. Dass die Japaner biologische Kampfmittel nicht bis zu ihrem bitteren Ende und nicht auch gegen andere Staaten einsetzten, lag unter anderem an deren militärischen Hauptnachteil, ihrer Unkontrollierbarkeit und Bumerang-Wirkung, die auch die eigenen Truppen trifft. Dass den japanischen Biokriegern und ihren bereits 1932 in Angriff genommenen barbarischen Menschenversuchen mit BTW aber 370.000 Menschen zum Opfer gefallen sein sollen[139], ist sehr umstritten. Wie groß die Zahl der Opfer auch immer war, viele dürften nicht als Folge des direkten Einsatzes dieser Kampfmittel erkrankt oder gar verstorben sein, sondern indirekt, weil nach der Zerstörung der japanischen Bio­waffen­einrichtungen ab August 1945 viele infizierte Versuchstiere in Freiheit gelangten und ausgedehnte Krankheitsausbrüche verursacht haben dürften.

Hinsichtlich der Opfer von Biowaffen in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg habe ich mich vor allem darum bemüht herauszufinden, ob die Einführung der mole­kularen Biotechno­lo­gien tatsächlich die biologische Gefahrenlage verschärft beziehungsweise der etwa zur gleichen Zeit erfolgte Abschluss der Biowaffenkonvention diese Situation befriedet hat. Ich habe deshalb Opferzahlen zusammengestellt. Das Ergebnis ist überraschend.

In den Jahren zwischen 1763 (als die Briten erstmals Pockenviren als Waffe gegen aufständische Indianer einsetzten[140]) – und 1975 (als die BTW-Konvention in Kraft trat) sind weniger als 400.000 Menschen durch den Einsatz von Bio- und Toxinwaffen umgekommen, also etwa 2000 Menschen pro Jahr. Das gilt aber nur für den Fall dass tatsächlich 370.000 Menschen durch japanische Biowaffeneinsätze umgekommen sein sollten.

Sehr genaue Zahlen gibt es für die Zeit seit Einführung von Gentechnik und Konvention: Insgesamt wurden 73 Menschen durch solche Kampfmittel umgebracht, also etwas mehr als zwei pro Jahr! Und in keinem Fall waren gentechnisch mani­pulierte Erreger oder Toxine die Verursacher. Die meisten von ihnen, 66 Einwohner von Swerdlowsk, waren keine Opfer bewusster Ausbringung – in diesen Fall von Milzbrandsporen –, sondern tragische Folgen einer technischen Panne in einer Biowaffeneinrichtung. Zwei weitere Todesfälle betrafen bulgarische Dissidenten, die mit dem Pflanzengift Rizin umgebracht wurden. Und die übrigen fünf Biowaffenopfer starben ganz sicher unbeabsichtigt als Folge des Versands der Briefe, die im Jahre 2001 mit waffenfähigen Milzbrandsporen kontaminiert worden waren: Es gibt gute Gründe für die Vermutung, dass die Milzbrandbrief­bomben nicht versandt worden sind, um Massenmord zu bewirken, sondern psychologischen Bioterror zu betreiben,[141] mög­licher­weise auch ökonomische Auswirkungen (etwa auf Produktion von Antibiotika, Schutz­mas­ken, Schutzanzügen etc) zu erreichen. Nach den Tätern wurde jahrelang vergeblich gefahndet. [142] Als schließlich 2008 einer vom FBI präsentiert wurde, der jahrelang in Fort Detrick tätige Mikrobiologe Bruce Edward Ivins, hatte der kurz zuvor Selbstmord gemacht und konnte nichts mehr aussagen. Die Motive des angeblichen Attentäters blieben im Dunklen, ob er Hintermänner hatte blieb ungeklärt – oder unveröffentlicht. Jedenfalls halten vor allem in der wissenschaftlichen community die Zweifel an Ivin’s (Allein-)Täterschaft an, und auch eine Arbeitsgruppe des Nationalen Forschungsrates der USA konnte sie in einer mehrjährigen Studie nicht ausräumen. Reuters meldete nach Veröffentlichung des Berichtes: „A National Research Council committee report released on Tuesday questioned the link between a flask of anthrax bacteria in Ivins' laboratory in Maryland and the anthrax-laced letters that killed five people and sickened 17 others”.[143]

Allerdings begann einige Jahre nach Einführung von Gentechnik und Biowaffen­konvention die schlimmste Seuche der Neuzeit zu grassieren die erworbene Immundefizienz AIDS. Ende 2010 waren ungefähr 34 Millionen Menschen mit dem AIDS-Erreger infiziert, vor allem im südlichen Afrika.[144]

Unverantwortlicher Weise wurde AIDS in direktem Zusammenhang mit gentechnischen Arbeiten zur Entwicklung biologischer Waffen gebracht, vor allem von unserem Ostberliner Kollegen Jakob Segal. Der behauptete, medienwirksam unterstützt von Stefan Heym in einem langen Interview, der AIDS-Erreger HIV sei gentechnisch kon­stru­iert worden, und zwar in dem amerikanischen Militärlabor USAMRIID in Fort Detrick.[145] Auf Weisung von Kurt Hager – interessanterweise dabei bezugnehmend auf einen „früheren Hinweis des Genossen Erich Honecker“ – durfte Segal seine schon damals fachlich haltlose Behauptung in der DDR nicht verbreiten, während es ihm überlassen blieb, wenn er damit im Ausland auftrete.[146] Das tat er dann auch sehr intensiv und mit weltweiter unterschiedlicher, zum Teil bis heute wirkender Resonanz. Ich habe mich nach der Wende an anderer Stelle ausführlich auseinandergesetzt[147] - in der DDR war mir das von Karl Seidel, dem Leiter der Abteilung Gesundheitspolitik des ZK eigentlich explizit verboten worden, woran ich mich aber nicht streng hielt.[148] Aber vor allem während meiner 1989er USA-Reise konnte ich mich kritisch dazu äußern, zumal ich auf allen meinen Stationen direkt danach gefragt wurde. Auch in dem bereits erwähnten Interview, das zwei Vertreter von dpa im Januar in San Francisco mit mir geführt hatten, habe ich Segals Hypothese über die Herkunft des AIDS-Erregers zurückgewiesen.[149] Segal hat mich daraufhin bei Politbüromitglied Hermann Axen denunziert, aber ich blieb ungeschoren.

Inzwischen ist zwar nun vielfältig durch molekulare Stammbaumanalysen und epidemi­o­lo­gisch bewiesen, dass die AIDS-Erreger direkt von Affenviren abstammen, die erstmals um 1900 in mehreren unabhängigen Schritten in die menschliche Population übergetreten sind.[150] aber der Mythos von der gentechnischen HIV-Konstruktion wabert weiter und wurde nach der Wende Objekt einer neuerlichen weltweiten Desinformationkampagne: Der Mythos sei seinerzeit von der für Desinformation und andere „aktive Maßnahmen“ verantwortlichen Abteilung X der Hauptverwaltung Aufklärung des MfS in enger Zusammenarbeit mit dem KGB erdacht und weltweit verbreitet worden. Die bar jeden Beweises vorgetragene Behauptung ehemaliger Stasi-Offiziere klang so überzeugend, dass sie sogar von einem promovierten Historiker, Mitarbeiter des Washingtoner Spionage-Museums, in einer – überdies preisgekrönten – Publikation in einer von der CIA herausgegebenen Zeitschrift kolportiert wurde.[151] Zwar ist nicht auszuschließen, dass der KGB tatsächlich seine Hand im Spiel hatte, aber ähnliche Mythen sind etwa zur gleichen Zeit – 1985 – auch andernorts entstanden, unter anderem auch in den USA selbst. Belegt werden kann aber, dass das MfS weder für die Erfindung noch für die Verbreitung der vor allem von Segal kolportieren Behauptungen über die Herkunft des AIDS-Virus verant­wort­lich gemacht werden kann: Tatsächlich erfuhr man im Ministerium für Staatssicherheit von Segals Behauptungen erst aus der Zeitung![152]

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



[1] Walter Krutzsch und Hubert Thielicke, „Initiativen der DDR zum Verbot von Massenvernichtungswaffen – heute noch aktuell“. In Günter Flach und Klaus Fuchs-Kittowski (Hrsg.), 215-223.

[2] Erhard Geißler, Drosophila oder die Versuchung. Ein Genetiker der DDR gegen Krebs und Biowaffen. Berliner Wissenschafts-Verlag, 2010.

[3] Mark Wheelis, „Biological warfare before 1924“, in Erhard Geissler and John Ellis van Courtland Moon (eds.), Biological and Toxin Weapons: Research, Development and Use from the Middle Ages to 1945. Oxford University Press, Oxford, 1999, 8-34.

[4] Erhard Geißler, "Anwendung von Seuchenmitteln gegen Menschen nicht erwünscht". Dokumente zum Einsatz biologischer Kampfmittel im Ersten Weltkrieg. Dokumentation. Militärgeschichtliche Mitteilungen 56, 107-55 (1997).

[5] Judith Miller, Stephen Engelberg und William Broad, Virus. Die lautlose Bedrohung. Biologische Waffen – die unsichtbare Front. Droemer, München 2002. – Jeanne Guillemin, Biological Weapons. From the Invention of State-Sponsored Programs to Contemporary Bioterrorism. Columbia University Press, New York 2005. Mark Wheelis, Lajos Rózsa and Malcolm Dando (eds.), Deadly Cultures. Biological Weapons since 1945. Harvard University Press, Cambridge and London, 2006.

[6] Lawrence M. Wein, David L. Craft, and Edward H. Kaplan, „Emergency response to an anthrax attack“, Proc.Nat.Acad.Sci. USA, 100, 4346-4351 (2003).

[7] Geissler and van Courtland Moon.

[8] Erhard Geißler, Biologische Waffen - nicht in Hitlers Arsenalen. Biologische und Toxin-Kampfmittel in Deutschland von 1915 bis 1945. 2. erweiterte Auflage. LIT-Verlag, Münster, 1999.

[9] Geissler and van Courtland Moon.

[10] Sheldon Harris, „The Japanese biological warfare programme: an overview“. In Geissler and van Courtland Moon, 127-152.

[11] Erhard Geissler and Jeanne Guillemin, “German flooding of the Pontine Marshes in World War II: Biological Warfare or Total War Tactic?” Politics and the Life Sciences 29, no. 1, 1-23 (2010).

[12] Erhard Geissler 2005, “Alibek, Tularaemia and The Battle of Stalingrad”, Chemical and Biological Weapons Convention Bulletin, No. 69+70, 10-15 (2005).

[13] Gradon B. Carter and Graham S. Pearson, “British biological warfare and biological defence, 1925-45”. In: Geissler and van Courtland Moon 1999, 168-189

[14] Miller, Engelberg und Broad; Guillemin; Dando, Rózsa and Wheelis.

[15] Valentin Bojtzov and Erhard Geissler, „Military biology in the USSR, 1920-45“. In Geissler and van Courtland Moon, 153-167.

[16] Ulrich Albrecht, Andreas Heinemann-Gründer, Arend Wellmann, Die Spezialisten: Deutsche Natur­wissenschaft­ler und Techniker in der Sowjetunion; Berlin 1992.

[17] Geißler 1999, 761-766, 770, 900, 902.

[18] Geißler 1999, 619-637.

[19] Russische Föderation, „Information über Anlagen und Tätigkeiten der Russischen Föderation im Zu­sam­men­hang mit dem Übereinkommen über das Verbot der Entwicklung, Herstellung und Lagerung bak­te­rio­logischer (biologischer) Waffen und von Toxin-Waffen sowie über die Ver­nich­tung solcher Waffen“ [Russisch], 3. Juli 1992. UN Dokument DDA/4-92/BWIII/Add. 3, 32-90.  

[20] Stefan Winkle, Memoiren (unveröffentlicht; einige Entwürfe dazu im Archiv der der Berlin-Branden­burgi­schen Akademie der Wissenschaften (BBAdW, Vorlass Erhard Geißler, Nr. 2.1). Ausführlich dazu in Erhard Geißler, „Die Rolle deutscher Biowaffenexperten in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. In: Sigrid Oehler-Klein und Volker Roelcke (Hg.) 2007: Vergangenheitspolitik in der universitären Medizin nach 1945. Institutionelle und individuelle Strategien im Umgang mit dem Nationalsozialismus. Franz Steiner Verlag Stuttgart, 97-120, hier 105-109.

[21] Theodor Rosebury and Elvin A.Kabak, “Bacterial warfare“. Journal of Immunology 56 (May), 7-95, hier: 53 (1947).

[22] John Ellis van Courtland Moon, „The US biological weapons program“, in: Dando, Rózsa and Wheelis, 9-46. – Miller, Engelberg and Broad, 91-92.

[23] Heinz Bielka, Geschichte der Medizinisch-Biologischen Institute Berlin-Buch. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Springer, Berlin, Heidelberg, New York, 2002.

[24] Brigitte Crodel, Schreiben an die Deutsche Akademie der Wissenschaften, 26.2.1949. Archiv der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Berlin (AAdW), Bestand Akademie-Leitung, Nr. 42.

[25] Josef Naas, „Aktenvermerk. Betr.: Übergabe des Instituts Buch an die Akademie. Besprechung am 26. April in Karlshorst“. 29.4.1947. AAdW, Bestand Akademieleitung, Nr. 424.     

[26] Paul J. Weindling , persönl. Mitteilung 2007.

[27] dke. [Volrad Deneke], „Deutsche Wissenschaftler vor dem Militärgericht in Lyon“. Ärztliche Mitteilungen, Nr. 11/1954, 362-64.

[28] Rudolph Zaunick, „Aktennotiz für das Mitgliederarchiv“. 21. 7. 1955. Halle, Archiv der Leopoldina, Bestand MM 4717 Eugen Haagen.

[29] Geißler in Oehler-Klein und Roelcke, 112-113.

[30] Geißler 2007.

[31] Milton Leitenberg and Raymond A. Zilinskas with Jens H. Kuhn, The Soviet Biological Weapons Program. A History. Harvard University Press, Cambridge, MA, London, England. 921 pg., 2012, 470.

[32] Erhard Geissler, „Kartoffelkäfer als dual-threat agents“, in: Ekkehard Höxtermann, Joachim Kaasch, Michael Kaasch, Ragnar K. Kinzelbach (Hg.), Berichte zur Geschichte der Hydro- und Meeresbiologie und weitere Beiträge der 8. Jahrestagung der DGGTB. Verhandlungen zur Geschichte und Theorie der Biologie, Bd. 5, Berlin 2000, 209-237. – Lars Gronau, Verschwörungstheorien im Kalten Krieg. Das Beispiel der „Amikäfer“ in der DDR. Magisterarbeit, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Mai 2011.

[33] Paul Merker, Schreiben an das Sekretariat des Polit-Büros, Zentralhaus der Einheit, Berlin N 54. 15. 6. 1950. Von Benjamin C. Garrett freundlicherweise zur Verfügung gestellte Kopie. Fundort war bisher nicht zu ermitteln. Archiv der BBAdW, Vorlass Erhard Geißler, Nr. 16.4.

[34] Konrad Kluge, Karl-Dieter Schuldt, Detlef Rostock, Die biologischen Mittel – ihre Funktion in der Strategie des Gegners, die Bedingungen ihres subversiven und militärischen Einsatzes und die Mög­lich­keiten ihres Erkennens und vorbeugenden Verhinderns durch die Arbeit des Ministeriums für Staats­sicher­heit. Geheime Verschlußsache. JHS 001-32/81, Berlin 1981. Der Bundesbeauftragte für die Unt­er­lagen des Staats­sicher­heitsdienstes der ehemaligen DDR [BStU], MfS JHS 21907, Bl. 36 (BStU Paginierung 68-69).

[35] Robert Havemann, „Das Verbrechen des bakteriologischen Krieges“, Wissenschaft und Fortschritt 2/1952, 97-98. – Rudolf Keil, „Der biologische Krieg“, Urania 16, 1, 1-10, 1953. – Hans Knobloch, Der bakteriologische Krieg, Berlin, 1955.

[36] Stephen Lyon Endicott and Edward Hagerman, The United States and Biological Warfare: Secrets from the Early Cold War and Korea. Indiana University Press, Bloomington and Indianapolis, 1998.

[37] Milton Leitenberg, The Korean War. Biological Warfare Allegations Resolved. Center for Pacific Asia Studies at Stockholm University, Stockholm, 1998.

[38] Rathmann, „Die gegenwärtigen Haupt­auf­gaben beim Aufbau des Luftschutzes der DDR“, Luftschutz. Mitteilungsblatt des Ministeriums des Inneren, Nr. 1/1959, 1-3. Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde [BAL] DQ1 Band 5680.

[39] Karl Maron, Max Sefrin, „Maßnahmeplan für den Aufbau des Medizinischen Dienstes im Luftschutz der Deutschen Demokratischen Republik für das Jahr 1959“, VD, 4.12.1958. BAL DQ 1 Band 5680.

[40] K. Raška, O. Havlik, V. Chládek, J. Novotný, M. Přivora, K. Symon, J. Weiser und A. Wolf, Der Gesundheitsschutz im biologischen Krieg, Berlin[-Ost] 1962. – Hans Koschel, “Infektionserreger als militärische Waffe”, Das Deutsche Gesundheitswesen 18, 1813-1819 (1963).

[41] „Programm. Ausbildungslehrgang über ärztliche Fragen des modernen Luftschutzes und Strahlen­schutzes vom 7.-19.Dezember 1959“, BAL DQ1 Band 5680.

[42] Max Sefrin, „Verfügung über Stellung, Organisation und Aufgaben der Koordinierungsabteilung beim Ministerium für Gesundheitswesen vom 01.07.1964“, VD. BAL DQ 1 Band 5377.

[43] Ministerium für Gesundheitswesen, „Aufgaben zur medizinischen Sicherstellung der Landes­ver­tei­di­gung“, 1962. VD. BAL DQ 1 Band 5377, hier: 6-15.

[44] „Protokoll über die konstituierende Sitzung der Problemkommission ‚Medizinische Sicherstellung der Landesverteidigung’“ am 20. 12. 1963. BAL DQ1, Bestand 2269.

[45] Kurt Geiger, Schreiben an Prof. Gerhard Misgeld (Sekretär des Rates für Planung und Koordinierung), 2.11.1964 BAL DQ1, Bestand 2269. – [Anonym] „Arbeitsgruppen der Problemkommission für 1964“, BAL DQ1, Bestand 2269.

[46] Heinz Schumann, Schreiben an Erhard Geißler, mit Anhang: „Teilbeitrag des Instituts hygienisch-antiepidemische Sicherstellung zum Vortrag von Prof. Geißler auf der CBM-Konferenz in Umea/Schweden“, 3. April 1990. Archiv der BBAdW, Vorlass Erhard Geißler, Nr. 12. Ernst-Jürgen Finke, „Zur Forschungsarbeit am Institut für Feldepidemiologie und Mikrobiologie der Militärmedizinischen Sektion an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald“. In: Franz-J. Lemmens und Wolfgang G. Locher, Der Medizinische Dienst der NVA. Teil I. Beiträge Wehrmedizin und Wehrpharmazie, Band 17. Elbe-Dnjepr-Verlag, Klitzschen 2004.

[47] „Richtlinie zur Durchführung der Spezialbehandlung bKM-Geschädigter auf den Etappen des medi­zi­ni­schen Transports“, MMS IFM 1973, VVS B 170893. – „Der Schutz der Truppe vor Massen­vernichtungs­mitteln“, DV-36/1. – „Biologische Kampfmittel und biologischer Schutz“. MMS [Militärmedizinische Sektion an der Universität Greifswald] IbiS 1966. – „Wege und Mittel der spez. und unspez. Diagnose biologischer Kampfmittel“. MMS 1965. – Sämtlich zitiert von Kluge, Schuldt und Rostock 1981.

[48] Günter Werner (Leiter des Autorenkollektivs), Innere Militärmedizin. Militärverlag der Deutschen Demokratischen Republik, Berlin 1985; Josef Loscher und Heinz Schumann (Leiter des Autorenkollektivs), Militärhygiene und Feldepidemiologie. Militärverlag der Deutschen Demokratischen Republik, Berlin 1987.

[49] Horst Koch, „Schädigung durch biologische Kampfmittel“. In: Günter Werner 1985, 160-196.

[50] Heinz Schumann und Bärbellies Günther, „Teil II Feldepidemiologie“. In Loscher und Schumann, 287-517, siehe S. 300.

[51] Schumann und Günther, 481

[52] Schumann und Günther 1987, S. 476.

[53] Schumann und Günther, 483

[54] Schumann und Günther, 490.

[55] Horst Koch, „Schädigung durch biologische Kampfmittel“, in Günter Werner 1985, 160- 196, siehe 167

[56] Zum Beispiel: Havemann 1952; – Keil 1953; – Knobloch 1955; – von Frankenberg 1958; – Matthew Meselson, Gefahr für die Menschheit. Wissenschaftliche Welt 1971, 20-26; – Horst Schlechte und andere in Erhard Geissler und Hermann Ley (Hrsg.), Philosophische und ethische Probleme der modernen Genetik, Akademie-Verlag, Berlin 1972, 118-147; – Helmut Böhme und Erhard Geißler, „Gegen den Missbrauch genetischer Erkenntnisse“ in Herbert Meißner und Karlheinz Lohs, Abrüstung Wissenschaft Verantwortung. Akademie-Verlag, Berlin 1978, 135-142,   – Erhard Geißler, „Gentechnik zur biologischen Kriegführung?“ wissenschaft und fortschritt 33 345-348 (1983).

[57] Erhard Geißler, „Potenzen der Gentechnik und Verantwortung des Forschers. Warum ein vollständiges Verbot der B- und C-Waffen so wichtig ist“. Neues Deutschland, 3./4. November 1984.

[58] DDR Report. Referatezeitschrift zur politischen Bildung in der Bundesrepublik Deutschland. 18, Nr. 1. 8 (1985).

[59] Konrad Kluge, Karl-Dieter Schuldt, Detlef Rostock, Die biologischen Mittel – ihre Funktion in der Strategie des Gegners, die Bedingungen ihres subversiven und militärischen Einsatzes und die Mög­lich­keiten ihres Erkennens und vorbeugenden Verhinderns durch die Arbeit des Ministeriums für Staats­sicher­heit. Geheime Verschlußsache. JHS 001-32/81, Berlin 1981. Der Bundesbeauftragte für die Unt­er­lagen des Staatssicher­heitsdienstes der ehemaligen DDR [BStU], MfS JHS 21907.

[60] Kluge, Schuldt und Rostock 1981, 83 (BStU-Nummerierung: S. 161)

[61] Ludwig Mecklinger, Schreiben an das Mitglied des Politbüros des ZK der SED Genossen Prof. Kurt Hager, 4.11.1981. BAL DQ1 Bestand 13084.

[62] Kurt Hager, Hausmitteilung an Erich Honecker, 9.11.1981, mit Anlage Mecklinger 1981. BAL DQ1 Bestand 13084.

[63] Ministerium für auswärtige Angelegenheiten der DDR (Hsg.), Dr. Petras schlägt Alarm. Dresden 1968. – Ehrenfried Petras, „Das ABC des Todes. Zur B- und C-Kriegsrüstung in Westdeutschland(1)“. Urania . Nr. 11, 40-45 (1970). – Ehrenfried Petras, „Das ABC des Grauens. Zur B- und C-Kriegsrüstung in Westdeutschland (2)“. Urania Nr. 12, 40-45 (1970). – Ehrenfried Petras, „Strategie des Grauens. Zur B- und C-Kriegsrüstung in Westdeutschland (3)“. Urania Nr. 1, 50-53 (1971).

[64] „Aufruf des Plenums der Deutschen Akademie der Wissenschaften, 4.9.1969“. Jahrbuch der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin, Berlin 1969, 119.

[65] Erhard Geißler, „Biowaffen für die Bundeswehr?“ Zeitschrift des Forschungsverbundes SED-Staat Nr. 18, 72-103, 2005. Erhard Geißler, „Aufstieg und Fall des Whistleblowers Dr. Ehrenfried Petras oder: Warum sich die westdeutschen Biowaffen als Massen-„Verschwindungs“-Waffen erwiesen“. In: Michael Kaasch, Joachim Kaasch und Nicolaas A. Rupke (Hg.): Physische Anthropologie – Biologie des Menschen. VWB. Verlag für Wissenschaft und Bildung, Berlin 2007, 285-298

[66] Erhard Geissler, "Genetik zwischen Angst und Hoffnung, ethischen, ideologischen und ökonomischen Zwängen". In Ernst Peter Fischer und Erhard Geissler (Hrsg): Wieviel Genetik braucht der Mensch? Die alten Träume der Genetiker und ihre heutigen Methoden. Universitätsverlag Konstanz 1994, 43-74.

[67] Robert Bernhard, „Biological warfare: the deadly aerosol“. Scientific Research, 22 January, 40-44 (1968). – Anonymus, “Bakterienkrieg. Tod im Kanister”. DER SPIEGEL, Nr. 19/1969, 132-135.

[68] Ernst von Weizsäcker, “Feststellungen und Thesen zum B- und C-Waffen-Problem”. FEST-CBW-1, unveröffentlicht. Archiv der BBAdW, Vorlass Erhard Geißler, Nr. 17.1. – Ernst von Weizsäcker, „Politik im B-Waffen-Zeitalter“. FEST CBW 6, unveröffentlicht. Archiv der BBAdW, Vorlass Erhard Geißler, Nr., 17.1., – und weitere einschlägige Manuskripte, die später zusammengefasst wurden in: Ernst von Weizsäcker (Hsg.), BC-Waffen und Friedenspolitik. Studien zur Friedensforschung 5. Klett/Kösel, Stuttgart, München 1970.

[69] Julian P. Perry Robinson, „The impact of Pugwash on the debates over chemical and biological weapons”. Ann.N.Y.Acad.Sci., Nr. 866, 224-52 (1998)

[70] Matthew Meselson, Gefahr für die Menschheit. Wissenschaftliche Welt 1971, 20-26.

[71] Miller, Engelberg und Broad, 91-93. – Guillemin, 122-126.

[72] Geissler, E. und H. Ley (Hrsg.) 1972: Philosophische und ethische Probleme der modernen Genetik. II. Kühlungsborner Kolloquium. Akade­mie-Verlag Berlin.

[73] Erhard Geissler, "Der steinige, aber Einsichten und Weitblick vermittelnde, Weg von Kühlungsborn nach der Insel Vilm". In: Friedrich Kleinhempel, Anette Möbius, Hans-Ulrich Soschinka und Michael Waßermann, Hrsg.: Die Biopsychosoziale Einheit Mensch - Begegnungen - Festschrift für Karl-Friedrich Wessel. Kleine Verlag, Bielefeld, 1996, 197-215. – Fuchs-Kittowski und Fuchs-Kittowski.

[74] Geißler, 2005, 2007.

[75] Erhard Geissler, „Biologische (genetische) Manipulierung des Menschen“. In: ABC-Waffen, Abrüstung und Verantwortung der Wissenschaftler. Report über eine internationale Konferenz der Weltfödera­tion der Wissenschaftler, ZV Gewerkschaft Wissenschaft Berlin 1972, 50-55.

[76] Manfred von Ardenne, Erhard Geißler, I. Hasenheyer, Karlheinz Lohs und Hubert Pöche, Tabellen. Kernwaffen, chemische und biologische Kampfstoffe sowie ihnen strukturell und wirkungsmäßig nahestehende Substanzen. Manuskriptdruck, Internationale Konferenz der Weltföderation der Wissenschaftler „Die aus den ABC-Waffen erwachsenden Gefahren, die realen Möglichkeiten der Abrüstung und die Verantwortung der Wissenschaftler“. Berlin, 21.-23.November 1971.

[77] Erhard Geißler, „Genetic engineering und die Gefahren des Einsatzes biologischer Waffen“. Wissenschaftliche Welt 27, Nr. 3, 7-11 (1983). Russ.Übersetzung in: Mir Nauki 27, Nr. 3, 10-12 (1983).

[78] Erhard Geissler, “Implications of genetic engineering for chemical and biological warfare”. World Armaments and Disarmament, SIPRI Yearbook 1984, Taylor & Francis, London and Philadelphia, 421-454.

[79] Unleserlich, HA XVIII/5, [Protokoll einer Beratung beim Generalsekretär der Akademie der Wissenschaften der DDR], 12.12.1984. BStU MfS AP 48587/92, 348-349.

[80] Erhard Geißler, 2010, 211-212.

[81] Matthew S. Meselson, “The Biological Weapons Convention and the Sverdlovsk anthrax outbreak of 1979”, F.A.S.Public [Federation of American Scientists] Interest Report , 41, no. 7 (September) 1988, 1-6.

[82] Jeanne Guillemin, Anthrax. The Investigation of a Deadly Outbreak. University of California Press, Berkeley, Los Angeles, London, 1999.

[83] SIPRI, The Problem of Chemical and Biological Warfare Band 1 – VI. Almqvist & Wiksell International, Stockholm, 1971-1975.

[84] Robert Harris und Jeremy Paxman, Eine höhere Form des Tötens. Die unbekannte Geschichte der B- und C-Waffen. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und Wien 1983.

[85] Thomas J. Romig, “Book Review. Biological and Toxin Weapons Today”. Military Law Review 117, 307-310 (1987) .

[86] Erhard Geißler, Entwurf einer Erklärung der Klassen Biowissenschaften und Medizin der AdW. Anfang März 1986. Unveröffentlicht. Archiv der BBAdW, Vorlass Erhard Geißler, Nr. 7.2.

[87] „Erklärung der Klassen Biowissenschaften und Medizin der Akademie der Wissenschaften der DDR zur Konvention über das Verbot der Entwicklung, Herstellung und Lagerung von biologischen und Toxin-Waffen sowie über deren Vernichtung“. 20. März 1986. Archiv der BBAdW, Vorlass Erhard Geißler, Nr. 7.2.

[88] [vermutlich Friedensrat der DDR] „Information für ADN, Presse und Rundfunk“. 1. September 1986. Archiv der BBAdW, Vorlass Erhard Geißler, Nr. 7.2.

[89] Von BStU geschwärzter Schreiber [vermutlich Günther Jahn], „Notiz für ▬.“ 10.6.1986. BStU MfS AP 48587/92, S. 517-518.

[90] Von BStU geschwärzter Schreiber [vermutlich Günther Jahn], „Notiz für ▬.“ 10.6.1986. BStU MfS AP 48587/92, S. 517-518.

[91] Geißler 2010, 261-272

[92] Victor L. Issraelyan, “Statement”, 15 September 1986. [Von der sowjetischen Delegation während der Konferenz verteilter Redetext. Archiv der BBAdW, Vorlass Erhard Geißler, Nr. 8.3.] Leicht gekürzt wiedergegeben in: Second Review Conference of the Parties to the Convention on the Prohibition of the Development, Production and Stockpiling of Bacteriological (Biological) and Toxin Weapons and on their Destruction. SR.7, 13-14.

[93] John Hart, “The Soviet Biological Weapons Program”, in Wheelis, Rósza and Dando, 132-156.

[94] John Glenn and H. Allen Holmes, Hearing, 17 May 1989. in: USA 1990, Global Spread of Chemical and Biological Weapons. Hearings before the Committee on Governmental Affairs and its Permanent Subcommittee on Investigations, United States Senate. U.S.Government Printing Office, Washington, D.C.,

[95] Antwort der Bundesregierung auf die Anfrage der Abgeordneten Frau Beer, Dr. Mechtersheimer und der Fraktion die grünen – Drucksache 11/22 – . 7. 10. 1987.

[96] P.J. von Stülpnagel, „Statement“, 9. September 1986. [Von der Delegation der Bundesrepublik Deutschland während der Konferenz verteilter Redetext. Archiv der BBAdW, Vorlass Erhard Geißler, Nr. 8.3] Leicht gekürzt wiedergegeben in: Second Review Conference of the Parties to the Convention on the Prohibition of the Development, Production and Stockpiling of Bacteriological (Biological) and Toxin Weapons and on their Destruction. SR.3, 5.

[97] Erhard Geissler and Robb H. Sprinkle, „Disinformation squared. Was the HIV-from-Fort-Detrick myth a Stasi success?” Politics and the Life Sciences 2012 (eingereicht).

[98] Second Review Conference of the Parties to the Convention on the Prohibition of the Development, Production and Stockpiling of Bacteriological (Biological) and Toxin Weapons and on their Destruction. Final Document. BWC/CONF.II/13. Geneva, 1986.

[99] Helmut Bochow et al., Vorstellungen zur Vorbereitung des Expertenmeetings zur Konvention über biologische Waffen”. 12.3.1987. Unveröffentlicht. Archiv der BBAdW, Vorlass Erhard Geißler, Nr. 8.4

[100] Walter Krutzsch, Information an Abteilung UNO, MfAA, Februar 1987. Archiv der BBAdW, Vorlass Erhard Geißler, Nr. 8.4

[101] Siegfried Zachmann, “Entwurf” [für eine von Oskar Fischer und Obermedizinalrat Prof. Dr. Ludwig Mecklinger beim Sekretariat des ZK der SED einzureichenden Vorlage]. o.D. [Sommer 1987]. Archiv der BBAdW, Vorlass Erhard Geißler, Nr. 8.4.

[102] Erhard Geissler, Strengthening the Biological Weapons Convention by Confidence-Building Measures. Oxford University Press, 1990a.

[103] Iris Hunger, Biowaffenkontrolle in einer multipolaren Welt. Campus Verlag, Frankfurt/New York 2005.

[104] Geißler 2010, 284

[105] Geißler 2010, 315-317

[106] Erhard Geissler, „Bemerkungen zur Verantwortung des Wissen­schaft­lers in unserer Zeit“. In: Theoretische Grundlagen und Probleme der Biologie. Wissenschaftliche Beiträge der Friedrich-Schiller-Universität Jena, 119-139 (1988). – Erhard Geissler, „Für und Wider eines ethischen Codes für Wissenschaftler“. Bulletin des DDR-Komitees für wissenschaftliche Fragen der Sicherung des Friedens und der Abrüstung bei der Akademie der Wissenschaften der DDR, Nr. 2, 18-21 (1989).

[107] siehe Erhard Geißler, Anthrax und das Versagen der Geheimdienste, Kai Homilius Verlag, Berlin 2003, 237-241.  

[108] Geißler 2010, 97-100.

[109] Erhard Geißler, Schreiben an Prof. Dr.L.Mecklinger, Minister für Gesundheitswesen, Berlin, 21. April 1988. Archiv der BBAdW, Vorlass Erhard Geißler, Nr., 14.1.

[110] Ludwig Mecklinger, Schreiben an E.Geißler, 19. Mai 1988. Archiv der BBAdW, Vorlass Erhard Geißler, Nr., 14.1.

[111] „Anordnung über Sicherheit bei der Herstellung und Nutzung in-vitro-rekombinierter Nukleinsäuren“. [2. überarbeitete Fassung] Entwurf. 26. Juli 1989. Unveröffentlicht. Archiv der BBAdW, Vorlass Erhard Geißler, Nr., 14.1.

[112] Geißler 2010, 287-289.

[113] DPA, San Francisco, “altes geruecht um aids-virus ein ‘unappetitlicher politthriller“. 17 Januar 1989. Geißler 2003, 249-250.

[114] Erhard Geissler, „How to prevent a biological and toxin arms race“. Invited paper, presented to the House of Representatives Foreign Affairs Committee staff, Washington, DC, 6 February 1989. Unveröffentlicht. Archiv der BBAdW, Vorlass Erhard Geißler, Nr., 2.2.

[115] Erhard Geissler, Biological and Toxin Weapons: The Renewed Threat. With comments by Stefan Noreen of the Swedish Mission to the UN. NGO Committee on Disarmament Forum at the UN, 2 February 1989. Transcript, 7-8. Archiv der BBAdW, Vorlass Erhard Geißler, Nr. 2.1.

[116] Erhard Geissler, “The international control of biological weapons” (interview). geneWATCH 6, no. 1 (1989), 1-4.

[117] Erhard Geissler, “Technology trends in selected areas: Biotechnology”. United Nations Conference on Disarmament. “New trends in science and technology: Implications for international peace and security”. Sendai, Japan, 16-19 April 1990b. Archiv der BBAdW, Vorlass Erhard Geißler, Nr. 2.2.

[118] United Nations 1990: Scientific and Technological Devel­op­ments and Their Impact on International Security. Report of the Secretary General. United Nations General Assembly, Fortyfifth session, A/45/568, 17 October (Mitarbeit von E. Geissler an Abschnitt III.E. Biotechnology, pp. 18-20).

[119] Erhard Geissler 1990b: 20.

[120] ZK, Beschluß Nummer 03 1./843 56/89 über das XII. Kühlungsborner Kolloquium „Biologische Waffen und die Verantwortung des Wissenschaftlers“.

[121] Geißler 2010, 300-301

[122] „Message to the Participants at the XIIth Kühlungsborn Colloquium from Mr. Yashushi Akashi, Under-Secretary General for Disarmament Affairs, United Nations”. Geissler and Haynes, xv-xvi

[123] Geissler and Haynes, 17.

[124] Erhard Geissler, “Vaccines for Peace: An international program of development and use of vaccines against dual-threat agents”. Politics and the Life Sciences, 11, no. 2, 231-243 (1992)

[125] Erhard Geissler, “Strengthening the BW Convention by An International Vaccine Program”. Nonpaper to be discussed with delegates from the developing countries on the occasion of the Third Review Confer­ence. 11 September 1991.

[126] Third Review Conference of the Parties to the Convention on the Prohibition of the Development, Pro­duc­tion and Stockpiling of Bacteriological (Biological) and Toxin Weapons and on their Destruction. Final Document. BWC/CONF.III/23. Geneva, 1992, 23.

[127] Erhard Geissler: “Vaccines for Peace: A response to commen­taries”. Politics and the Life Sciences, 12, 93-97 (1993).

[128] Erhard Geissler and John P. Woodall (eds.): Control of Dual-Threat Agents: The Vaccines for Peace Programme. SIPRI Chemical and Biological Warfare Studies, No. 15, Oxford University Press, 1994.

[129] Felix Calderón et al. “Biesenthal Consensus: Biesenthal Vaccine Initiative (Vaccines for Peace)”. Politics and the Life Sciences, vol. 12, pp. 101-103, 1983.

[130] XVI. Kühlungsborn Colloquium: Vaccines for Peace – An In-depth Analysis. 1994. Insel Vilm.

[131] Erhard Geissler, “ProCEID: Program for Controlling Emerging Infectious Diseases”. The ASA Newsletter 95-2, 1, 16 (1995). – XVII. Kühlungsborn Colloquium: ProCEID: Possibilities and Limitations. 1995. Insel Vilm. – Erhard Geissler and Graham Pearson, “Growing support for ProCEID”. The ASA NEWSLETTER 95-4, 1, 14 (1995).

[132] SIPRI 1971-1975.

[133] Einige konnten schon damals in westlichen Archiven recherchieren, u.a. Olaf Groehler für sein Buch über chemische Kriegsführung Der lautlose Tod (Verlag der Nation, 4. Auflage, Berlin) im Bundesarchiv Militärarchiv, Freiburg/Brsg.

[134] XVth Kühlungsborn Colloquium. Biological and Toxin Weapons Research, Development and Use 1925-45: Lessons fort he Future“,1994, Insel Vilm. – Erhard Geissler and John Ellis van Courtland Moon (edts.), Biological and Toxin Weapons Research, Development and Use from the Middle Ages to 1945. Oxford University Press 1999.

[135] Dando, Rózsa and Wheelis

[136] Geißler 2003, 18.

[137] M. Duffy: „Weapons of Mass Disappearance“, Time, 9 June, 18-23 (2003).

[138] Sheldon Harris, 1999.

[139] J. Kahn, “Shouting the pain from Japan’s germ attacks”, New York Times, 23 November (2002).

[140] Mark Wheelis, „Biological warfare before 1914“. In: Geissler and van Courtland Moon, 8-34.

[141] Erhard Geißler, „Biologische Waffen: Bedrohung, Hysterie und Psychoterror“. In: Susanne Hahn (Hsg.) 2007: Hubertusburger Frieden – Ewiger Frieden? Hubertusburger Friedensgespräche, Protokollband. Turnshare Ltd., London. 217-230 (2007). – Erhard Geißler, „Bioterrorismus (2)“. In: Jan Bretschneider, Hans-Günther Eschke und Erich Satter (Hsg.), Lexikon freien Denkens. 10. Ergänzungslieferung. Angelika Lenz Verlag, Neuisenburg (2010).

[142] Leonard A. Cole, The Anthrax Letters, A Bioterrorism Expert Investigates the Attacks That Shocked America—Case Closed?. Skyhorse Publishing, New York (2009). – Jeanne Guillemin, American Anthrax: Fear, Crime, and the Investigation of the Nation’s Deadliest Bioterror Attack. Times Books, New York, 2011.

[143] Reuters, Washington, “A panel of scientists on Tuesday cast doubt on FBI scientific evidence that a U.S. Army researcher, Bruce Ivins, committed a series of deadly anthrax attacks in 2001”. 15. Februar 2011.

[144] unaids report 2011. www.unaids.org

[145] Stefan Heym und Jakob Segal, „AIDS: Man-made in USA“. [Interview] , Die Tageszeitung, 18 February 1987: 11-13.

[146] Kurt Hager an Karl Seidel, 25 September 1986. BAL Stiftung DY 30/vorl. SED 36832.

[147] Erhard Geißler, „Lieber AIDS als gar nichts aus dem Westen!“ Wie Partei- und Staatsführung der DDR mit dem AIDS-Problem umgingen. Zeitschrift des Forschungsverbundes SED-Staat, Nr. 22, 2007, 91-116. – Erhard Geißler: „AIDS-Erreger aus dem Militärlabor – Ignoranz oder bewusste Desinformation?“ In: Michael Kaasch und Joachim Kaasch (Hsg.): Biologie im Spannungsfeld von Natur­philo­so­phie und Darwinismus. Berlin: Verlag für Wissenschaft und Bildung 2009, 489-506.

[148] Geißler 2010, 248-251.

[149] DPA, San Francisco, “altes geruecht um aids - virus ein ‘unappetitlicher politthriller“. 17. Januar 1989.

[150] Erhard Geissler and Robert Hunt Sprinkle, Disinformation squaredWas the HIV-from-Fort-Detrick myth a Stasi success? Politics and the Life Sciences 32 (2) im Druck.

[151] Thomas Boghardt, „Operation INFEKTION. Soviet bloc intelligence and its AIDS disinformation campaign”. Studies in Intelligence, December 2009, 53 (4); 1-24

[152] Geissler and Sprinkle

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Prof.Dr.Erhard Geißler